Ein belgischer Sexualstraftäter, der seit 30 Jahren wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mord in Haft sitzt, darf sterben. Das hat ein Berufungsgericht in Brüssel nun entgültig entschieden. Er ist damit der erste Häftling Belgiens, dem die Inanspruchnahme aktiver Sterbehilfe zugebilligt wurde. Nun haben weitere Straftäter die Sterbehilfe beantragt.
Seit 2002 ist die (aktive) Sterbehilfe in Belgien erlaubt. Hierunter fallen nicht nur Todkranke, sondern auch Menschen, die psychisch leiden. Voraussetzung ist aber, dass ein unerträgliches Leiden nachgewiesen werden kann.
Ich kann es nicht fassen, dass der Sexualstraftäter sterben muss bzw. will, weil ihm die notwendige psychiatrische Behandlung nicht gewährt wird. Laut Angaben seines Anwalts Jos Vander Velpen sei sein Mandant während der gesamten Haft fast gar nicht therapiert worden. Geht die Bürokratie tatsächlich über ein Menschenleben?
[…] Der Straftäter betrachtet sich selbst als Gefahr für die Gesellschaft und will daher nicht freigelassen werden. Zugleich bezeichnet er seine Haftbedingungen als unmenschlich. Er beantragte daher gemäß geltender Gesetze, in einer niederländischen Spezialklinik behandelt zu werden oder Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu dürfen. […]
Die zuständigen Justizbehörden billigten eine Verlegung in die Niederlande nicht. Da es in Belgien eine passende Klinik für solch eine Behandlung jedoch nicht gibt, entschied sich der Häftling letztlich, zum Sterben in ein Krankenhaus verlegt zu werden.
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http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-09/sterbehilfe-belgien-sexualstraftaeter