„Es geht um die Art und Weise, wie wir leben“

In letzter Zeit wurde in den Medien hauptsächlich nur über den Kampf um Kobani berichtet. Es ist kaum bekannt, wie die Lage der Jesiden im Sindschar-Gebirge ist.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/jesiden-verfolgung-sindschar-gebirge-islamischer-staat

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/sindschar-gebirge-jesiden-is-eingekesselt-voelkermord

Auch hört man wenig von den Christen im Irak, die mit Waffen gegen ihre Vertreibung durch die IS aus ihrer angestammten Heimat in Irak und Syrien kämpfen.

Zu dem Spannungsfeld zwischen dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und dem Einsatz von Gewalt wurde Simon Jacob, Vorsitzender vom Zentralrat der Orientalischen Christen in Deutschland, interviewt.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/islamischer-staat-zentralrat-der-orientalischen-christen-syrien-irak

Simon Jacob hält den bewaffneten Kampf der orientalischen Christen gegen den IS im Ergebnis für richtig.

Für uns als Christen war es außerordentlich schwierig, hierzu eine Aussage zu treffen. Die Grenzen zwischen Selbstverteidigungsgruppen und sektiererischen Milizen sind ja manchmal sehr subtil. Was nun die aktuelle Situation angeht: Zum einen verbietet uns der christliche Glaube, offensiv zur Waffe zu greifen. Auf der anderen Seite können wir uns nicht mehr wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. Die Entscheidung der Patriarchen östlicher Kirchen vor einigen Wochen war für uns der ausschlaggebende Faktor. Unsere Kirchenführer haben nun gesagt, dass Christen sich in bestimmten Situationen selbst verteidigen müssen. Wir haben ja gesehen, was in Mossul passiert ist (dort übernahm am 10. Juni der „Islamische Staat“ die Macht und begann mit der systematischen Vertreibung von Christen und anderen Minderheiten, Anm.d. Red.). Die reguläre irakische Armee ergriff die Flucht, hinterließ den Dschihadisten ihre Waffen – und die begingen dann ihre Gräueltaten. Christus lehrt uns, friedlich zu sein und nicht einmal unsere Feinde anzugreifen. Aber es ist richtig, dass junge Menschen zu den Waffen greifen, um sich und ihre Familien zu schützen. Das ist kein Angriff, sondern Selbstverteidigung.“

Herrn Jacob zufolge steigen in Deutschland die Spannungen zwischen den orientalischen Christen und Salafisten. Er befürchtet eine Zuspitzung der Lage, bedingt durch die Gräueltaten des IS im Irak und in Syrien, die über das Internet in wenigen Sekunden weltweit verbreitet werden.

Eine Hilfe für die orientalischen Christen sieht er nicht primär darin, diese verstärkt in Deutschland aufzunehmen.

…Der Zentralrat war von Anfang an in die Flüchtlingsarbeit involviert. Persönlich habe ich bei mehreren Reisen das Leid vor Ort gesehen und leider auch erlebt. Trotzdem wäre es sinnvoller, wenn die Menschen erst keinen Grund für eine Flucht hätten. Forderungen nach einer Schutzzone müssen endlich Taten folgen. Dies würde mittelfristig  Europa und dem Nahen Osten zugutekommen. Denn der Orient ist gerade dabei, die Christen zu verlieren – seine letzten Brückenbauer, die stets zu einem Dialog bereit waren und sind.

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