Die Israel-Story

 

In diesem hervorragenden Artikel von Matti Friedman wird die Rolle der Journalisten im Nahost-Konflikt kritisch beleuchtet.

Nach Ansicht des Autors sind die westlichen Medien weniger Beobachter als Teilnehmer des Konflikts selbst. Die Medien hätten eine grob vereinfachte Geschichte, die „Israel-Story“, geschaffen – eine moderne Moritat, in der Israels Juden als Exempel moralischen Versagens hingestellt werden.

Der Autor sieht die Gründe dieser fehlerhaften Berichterstattung nicht nur in banalen Gegebenheiten wie Überarbeitung oder Übertreibungen, sondern sieht hierin ein System.

[…] Sie (erg. die Journalisten) bewegen sich in einem bestimmten Milieu, in dem, wie in allen Milieus, eine gewisse Uniformität der Haltungen, des Verhaltens und sogar der Kleidung vorherrscht. Diese Leute kennen sich, treffen sich regelmäßig, tauschen Informationen aus und lesen sich gegenseitig. Deshalb wird ein Leser, der an einem bestimmten Tag die Artikel der fünf, sechs wichtigsten Nachrichtenlieferanten liest, überall die gleiche Geschichte lesen, obwohl sie von verschiedenen Reportern und Redakteuren stammen. […]

Friedman zufolge kommt den ausländischen Aktivisten wie den internationalen NGOs und den verschiedenen Unterabteilungen der Vereinten Nationen in diesem Zusammenhang die entscheidende Rolle zu. Diese vorgenannten Gruppen blieben von der westlichen Presse verschont. Internationale Organisationen würden nur zitiert. Eine Berichterstattung über sie käme nicht vor.

Es gäbe einen regen Personalaustausch zwischen der Presse und diesen mächtigen Akteuren. Die internationalen Organisationen in den palästinensischen Gebieten seien größtenteils Fürsprecher der Palästinenser, und ein Großteil der Presse hätte ebenfalls diese politische Rolle übernommen.

Daher hätten die Journalisten von AP den sog. Goldstone-Bericht über die Kämpfe in Gaza  nicht kritisch beleuchtet, sondern nur einfach publiziert, obwohl damals schon bekannt wäre, dass der Bericht seinen zentralen Vorwurf nicht belegen konnte: dass Israel absichtlich Zivilisten getötet habe.

In diesen Machtstrukturen werde die Presse zu „Handlangern“ der Hamas, die dieses Ränkespiel des Westens längst durchschaut und zu ihren Gunsten ausgenutzt hätten.

Genau diese Journalisten würden den Krieg im Sommer 2014 als israelischen Überfall auf unschuldige Menschen beschreiben, „abgestumpft nach Jahren der Israel-Story, gewöhnt an die routinemäßigen Auslassungen, unklar über die eigene Rolle und kooptiert von der Hamas“.

So hörten nach Ansicht des Autors „intelligente und in der Regel wohlmeinende Profis auf, verlässliche Beobachter zu sein, und verstärkten stattdessen die Propaganda einer der intolerantesten und aggressivsten Kräfte dieser Erde“.

Und das ist nach Friedman die eigentliche Story.

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