Das Böse im Menschen

Die WELT hat vor einiger Zeit einen interessanten Artikel herausgebracht. Er geht der Frage nachgeht, warum manche Menschen unvorstellbare Taten begehen können.

Am Beispiel Josef Fritzls wird untersucht, welche Faktoren die Entstehung von Gewalttätigkeit begünstigen könnten. Dem Gerichtspsychiater Reinhard Haller zufolge “ sind die meisten von uns zu weitaus mehr Bösem fähig, als sie sich selbst vorstellen können“.

In jedem Menschen steckten gute und schlechte Anteile. Von den schlechten möchte man allerdings nichts wissen. „Wenn wir etwas über Verbrecher lesen, dann ahnen wir, dass so etwas zumindest in Ansätzen auch in uns steckt, weil es uns gespiegelt wird.“ Gern grenzt man sich deshalb von Gewaltverbrechern ab, personifiziert das Böse, gibt ihm einen Namen.

Auch die Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner, die fast 30 Stunden mit Josef Fritzl sprach , ist der Ansicht, dass jeder Mensch grundsätzlich in der Lage dazu ist, ein Gewaltverbrechen zu begehen.

„Aber ich glaube nicht, dass jeder dazu fähig ist, schwere Gewaltverbrechen derart zu planen und auch auszuführen“, sagt sie.

Durch die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, die Fähigkeit zum Mitgefühl und durch die Akzeptanz moralischer Grundsätze werde das „Böse“ in uns in Schranken gehalten, auch bei Menschen mit Gewalterfahrungen in der Kindheit.

Wenn aber eine oder sogar alle drei dieser Fähigkeiten versagen, dann steigt das Risiko, Gewalt wiederholt zum eigenen Vorteil einzusetzen. 

Experten unterscheiden bei Intensivstraftätern drei Typen, bei denen diese Schranken nicht zuverlässig funktionieren sollen. Diese werden nachfolgend in diesem Beitrag näher erläutert. Interessant, dass sich bei diesen Menschen neben einer problematischen Kindheit auch häufig Auffälligkeiten im Gehirn nachweisen lassen.

Neurowissenschaftler konnten zeigen, dass impulsive Gewalttäter Veränderungen in der Anatomie und Funktion des präfrontalen Kortex, einem Areal hinter der Stirn, aufweisen.

Doch auch eine genetische Vorbelastung allein reiche nicht aus, um einen Menschen zum Schwerverbrecher zu machen.

Das gilt für alle neurobiologischen Befunde, davon sind Experten mittlerweile überzeugt: Genetische Vorbelastungen und veränderte Hirnfunktionen allein machen niemanden zum Mörder, Vergewaltiger oder Amokläufer. Eine sichere Bindung und ein warmes, förderndes Umfeld in der Kindheit können also effektiv gegensteuern, und zwar bei allen Tätertypen.

Auf jeden Fall ein sehr lesenswerter Artikel!

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