Der kleine Unterschied

Die EU und Deutschland haben sich dem „Gender Mainstreaming“ verpflichtet. Dieser Politik liegt die Behauptung zugrunde, Geschlechtsrollen seien nur erlernt. Propagiert und durchgesetzt hat das der Feminismus, doch am Anfang steht ein Menschenversuch, schreibt Volker Zastrow.

von Volker Zastrow

http://www.faz.net/aktuell/politik/gender-mainstreaming-der-kleine-unterschied-1329701.html

Ein wirklich hervorragender Artikel vom September 2006.

So eine entsetzliche Geschichte habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Bruce Reimer kam als Junge, mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, zur Welt. Er hatte einen eineiigen Zwillingsbruder, Brian. Aufgrund einer Vorhautverengung musste der Penis von Bruce beschnitten werden (ebenfalls bei Brian). Die Beschneidung missglückte, sein Penis wurde irreparabel verletzt. Und hier kam der Sexualwissenschaftlers John Money ins Spiel, der einflußreichste wissenschaftliche Wegbereiter der Gender-Theorie und auch sonst ein Anhänger der sexuellen Vielfalt.

"In einer Zeit, in der die Behandlung solcher Angelegenheiten im Nachmittagsfernsehen noch nicht zum Alltag gehörte, sprach Money sich für Gruppensex und Bisexualität aus, er warb für sogenannte „fucking games“ von Kindern und ordnete auch extreme sexuelle Perversionen bis hin zum Lustmord als bloße „Paraphilien“ ein, als abweichende Vorlieben. In den achtziger Jahren nutzte Money seine weltweit erworbene Anerkennung als Sexualforscher zu wiederholten Interventionen zugunsten der „affectional pedophelia“, angeblich auf Gegenseitigkeit beruhender vorwiegend homosexueller, auch inzestuöser Handlungen Erwachsener an Kindern."

Der Gender-Theorie zufolge gibt es keinen kausalen Zusammenhang von biologischem und sozialem Geschlecht. Das soziale Geschlecht (gender) werde dem Menschen vielmehr willkürlich zugewiesen. Es könne daher vom biologischen Geschlecht (sex) bis zur vollständigen „Diskordanz“ abweichen. Da die Erbanlagen das Geschlecht eines Menschen nicht bestimmen würden, könne z.B. ein Junge mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen erfolgreich zu einem „Mädchen“ erzogen werden.

John Money ging weiterhin davon aus, dass das Identitätsgeschlecht eines Menschen erst mit etwa drei Jahren entwickelt und vorher beliebig veränderbar sei. So seine Theorie. Ein Beweis war noch nicht erbracht.

Bruce Reimer sollte dieser Beweis sein. Was danach folgte, kann ich nur als Alptraum bezeichnen. Dieser Menschenversuch ging als John/Joan-Fall in die Wissenschaftsgeschichte ein.

Money empfahl den Eltern von Bruce, eine chirurgische Geschlechtsangleichung des Kindes durchführen zu lassen und ihn fortan als Mädchen aufzuziehen. Im Alter von 22 Monaten wurde das arme Kind kastriert, aus der Haut seines Hodensacks formte man rudimentäre Schamlippen. Bruce, der nachfolgend nur „Brenda“ genannt wurde, wusste lange nichts von seinem Schicksal. Auch seinem Zwillingsbruder Brian wurde nicht offenbart, dass er einen Zwillingsbruder hatte, nicht eine Zwillingsschwester.

Bruce bzw. „Brenda“ kam mit dem willkürlichen Wechsel des Geschlechts nicht klar. Sein Verhalten war weiterhin „jungenhaft“.

"Er wollte mit dem Spielzeug seines Bruders spielen, tobte und raufte, interessierte sich für Autos und Waffen statt für Puppen, Schmuck und Kleider. Von Money, bei dem die Familie jährlich in Baltimore erschien, wurde das als „Tomboy“-(Wildfang-)Verhalten bewertet, wie es auch sonst bei Mädchen vorkommt."

Von Freunden und der Familie wurde Bruce als ein zutiefst unglückliches Kind mit großen sozialen Problemen beschrieben.

"Seinen Lehrern war dieses Kind durch sein stark abweichendes, ihnen ja unerklärliches Verhalten durchweg unsympathisch. Fortan kam es unter therapeutische Aufsicht."

Bruce widersetzte sich im Laufe der Jahre zunehmend seiner Geschlechtsneuzuweisung. Er zeigte zunehmend ein kratzbürstiges, ruppiges und gewalttätiges Betragen. Dieses Verhalten wurde von Money als „verspielter Negativismus“ abgetan.

"Ab dem Alter von elf Jahren - zu der Zeit feierte Money seinen Triumph in „Sexual Signatures“ - quälte sich „Brenda“ mit Selbstmordgedanken. Alle Anzeichen von Verwirrung und schließlich Verzweiflung, die das Kind zeigte, wurden von seinen Betreuungspersonen beiseite geschoben, uminterpretiert oder geleugnet."

Die Zwillinge mussten jährlich Money in Baltimore aufsuchen, obwohl Bruce schon mit sieben Jahren begonnen hatte, sich gegen die Reise nach Baltimore zu sträuben. Money versuchte unermüdlich, an „Brendas“ Geschlechtsneuzuweisung weiterzuarbeiten. Er versuchte, die Kinder sexuell zu enttabuisieren.

"Da er aus dem Studium von Rhesusaffen die Bedeutung sexueller Enttabuisierung in der Kindheit abgeleitet hatte, sprach er unverschämt drastisch mit den Kindern über ihre Genitalien und ihre angebliche Sexualität. Er konfrontierte „Brenda“ mit ungeschönten Fotos des Geburtsvorgangs - um einige der weniger abscheulichen Schilderungen aufzugreifen, die Colapinto in seinem Buch wiedergibt."

Enttabuisierung in der Kindheit. Sexualpädagogik der Vielfalt und Bildungsplan 2015 in BW lassen herzlich grüßen. Die Zeiten ändern sich tatsächlich nicht. Geschichte, eine stupide Wiederholung von menschlichen Fehlern.

Bruce war heterosexuell. Er fühlte sich zu Mädchen hingezogen. Money diagnostizierte bei „Brenda“ lediglich eine „lesbische Veranlagung“.

"Money fragte „Brendas“ Vater, ob es ihn stören würde, eine Lesbe aufzuziehen. In seinen Zukunftsträumen sah sich „Brenda“ als jungen Mann mit Schnurrbart in einem Sportwagen."

Bruce wurde etwa ab dem 12. Lebensjahr mit weiblichen Hormonen behandelt. Der angeblich nicht vorhandenen Natur soll mit biologischen Mitteln nachgeholfen werden. Aber die Biologie war stärker, denn:

"Zur Überraschung der Ärzte durchlief er dennoch den Stimmbruch."

Doch Money hatte kein Erbarmen. Er plante, bei Bruce durch mehrere Operationen eine künstliche Scheide zu formen und den Harnleiter nach unten zu verlegen. Diese Operationen fanden jedoch nicht statt. Mit 13 Jahren weigerte sich Bruce, weiterhin dem Psycho-Doktor in Baltimore zu begegnen. Er lehnte die geplanten Operationen ab.

"Schließlich fragte ihn ein Endokrinologe ungeduldig: „Willst du ein Mädchen sein oder nicht?“ Diese suggestiv gemeinte Frage hatte „Brenda“, vor allem von Money, schon oft gehört, doch zum ersten Mal antwortete er jetzt mit Nein."

1980 erfuhr Bruce, dass er nicht „Brenda“, sondern Bruce war. Brian erkannte, dass er einen Zwillingsbruder hatte. Bruce beschloß umgehend, ab sofort als Junge und Mann zu leben.

„Brendas“ beherrschende Empfindung: „Ich war erleichtert. Plötzlich verstand ich, warum ich mich so fühlte, wie ich mich fühlte. Ich war gar kein komischer Kauz. Ich war nicht verrückt.“

Bruce nannte sich nun nach dem biblischen David. Er schluckte männliche Hormone, ließ sich in den folgenden Jahren sein Genital operativ, soweit möglich, wiederherstellen, entfernte seine Brust und heiratete schließlich sogar.

"Doch ein Gefühl tiefer Scham verließ ihn nie."

Rückblickend nannte David Reimer seine Vergangenheit „eine unerträgliche Qual“. Angesichts dieser höchst traumatischen Geschichte ist es daher nicht verwunderlich, dass er sich am 4. Mai 2004, im Alter von 38 Jahren, das Leben nahm. Davids Mutter glaubte, dass ihr Sohn noch am Leben wäre, wenn er nicht das Opfer jenes „katastrophalen Experiments“ geworden wäre, das bei ihm so viel Leid verursacht hat.

Zumindest dieses menschliche Experiment hat die Gendertheorie widerlegt, derzufolge Geschlechtsrollen nur eine soziale Konstruktion und erlernt seien.

Ob es inzwischen wissenschaftliche Beweise für diese Theorie gibt, entzieht sich vorläufig meiner Kenntnis. Im Artikel von 2006 heißt es aber:

"Die Naturwissenschaften, etwa die Hirnforschung, haben diese Annahme längst widerlegt."

Die Gender-Theorie ist jedenfalls in der politischen Wirklichkeit angekommen, ob mit oder ohne wissenschaftlichen Belege. Aber falls es keine Beweise gibt, warum herrscht dann dieser Genderwahn? Ist ein „Volksbetrug“ im großen Stil im Gange?

John Colapinto hat im Übrigen über das Leben David Reimers ein Buch geschrieben.

Sehr interessant ist, dass David Reimer schon als Junge gelebt haben soll, als er weltweit in allen möglichen Publikationen als glückliches Mädchen vorgestellt wurde. Auch soll Money insbesondere auf Homosexuellen und Feministinnen eine große Anziehungskraft ausgeübt haben.

"Denn er bewertete Heterosexualität als bloße Ideologie und darüber hinaus als ein Zwangssystem."

Money zeigte trotz der bekannt gewordenen traumatischen Erlebnisse von David Reimer augenscheinlich keinerlei Bedauern.

"Money ordnete die mit Beginn des neuen Jahrtausends nach dem Bekanntwerden von David Reimers wirklichem Schicksal aufbrandende Kritik an seiner Arbeit und die veränderte Haltung der Presse als „Bestandteil der antifeministischen Bewegung“ ein. Wer behaupte, Männlichkeit und Weiblichkeit seien genetisch verankert, wolle die Frauen „zu ihrer angestammten Rolle im Bett und in der Küche“ zwingen."

Wäre in diesem traumatischen Fall ein bisschen mehr Selbstkritik nicht angebrachter gewesen?

 

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