Neue Anschläge, alte Probleme

Mordanschläge auf Juden, vor allem in Jerusalem, schaffen zusätzliche Probleme, die sich erschwerend auswirken für die Verhandlungen im In- und Ausland, nicht zuletzt auch dort, wo es um die Frage der Siedlungspolitik geht.

http://www.erf.de/radio/erf-plus/mediathek/brennpunkt-nahost/neue-formen-der-gewalt/8302-47?

Ein interessantes Telefon-Interview mit Johannes Gerloff, der Journalist und Theologe ist. Er lebt mit seiner Familie seit 1994 in Jerusalem.

Der ERF ist ein christlicher Sender. Das Interview ist daher etwas christlich „angehaucht“. Es wirft in sachlicher Weise Licht auf interessante Aspekte der aktuellen politischen Situation in Israel, auch im Hinblick auf die Siedlungspolitik.

Für mich sind folgende Aussagen im Interview besonders interessant:

  • Seit Jahresbeginn habe es in Israel 1.400 (palästinensische) Terroraktionen gegeben. Dabei seien 284 Israelis verletzt und 9 getötet worden.
  • Es habe auch 18 Angriffe seitens Israelis gegeben. 13 Palästinenser seien dabei verletzt und 3 getötet worden (palästinensische Attentäter, die im Verlauf von Angriffen getötet wurden, seien nicht mitgezäht).
  • Neu an der Gewaltwelle in Israel sei einerseits, dass nun (arabische) Einzeltäter aktiv werden, die mitten in Israel leben. Andererseits seien für die Terrorattacken Messer verwendet worden, eine Vorgehensweise, die nicht von langer Hand geplant worden sei.
  • Ein Einfluss des IS liege vermutlich vor.
  • Die (palästinensische) Bevölkerung sei selbst viel radikaler als ihre politische Führung.
  • Unter vom Westen „gefeierten“ Ehud Barak seien am meisten Siedlungen gebaut worden, während unter der Regierung Netanjahus am wenigsten gebaut worden sei.
  • Gerloff fragt sich, warum Europa überhaupt verlange, dass die Siedlungen in den umstrittenen Gebieten geräumt werden müssen. Nazareth gehört zum Staat Israel, ist aber mehrmeitlich von Arabern bewohnt. Hier verlange auch niemand, dass Nazareth deswegen geräumt werden muss. Warum könne Juden nicht in einem palästinensichen Staat leben? Warum sei es so selbstverständlich, dass Juden einen palästinensischen Staat verlassen müssen? Warum werde es akzeptiert, dass Juden von Arabern so gehasst würden, dass ihre Sicherheit in einem palästinensischem Staat nicht gewährleistet werden könne?
  • Vor 1967 habe es keine Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gegeben. Schon damals sei es dennoch nicht möglich gewesen, den Staat Israel anzuerkennen und zu einer Verhandlungslösung zu kommen.
  • Der Boykott israelischer Produkte aus den Siedlungen würden auch die Palästinenser schaden, die von der Arbeit in den israelischen Unternehmen abhängig seien. Es seien wegen der BDS-Bewegung schon Palästinenser entlassen worden, weil die Siedler ihre Firmen nach Israel verlegt hätten. Durch die Arbeitslosigkeit seien Palästinenser dazu gezwungen worden, ihr Land an Israelis zu verkaufen, nur um ihre Familie ernähren zu können.
  • Es werde die Zweistaatenlösung vorgeschlagen, obwohl diese keinen Widerklang bei den Menschen vor Ort fänden.
  • Die Siedlungen seien nach dem Abkommen von Oslo nicht illegal. In diesem Abkommen sei nur geregelt worden, dass über die Siedlungsfragen verhandelt werden müsse.
  • Die wahren Ursachen der Terrorwelle sei eine tief im Islam verwurzelte antijüdische antisemitische Hetze. Schon im Koran und in den Hadithen würden eine „judenfreie“ Welt propagiert. Die Hamas verfolgten ganz klar die weltweite Vernichtung des jüdischen Volkes.
  • Die Siedlungsdiskussion, die von Europa nach Israel getragen worden sei, sei kontraproduktiv in der Frage, wie die Menschen in der Region friedlich zusammenleben können.

Zusammenfassend handelt es sich um ein Interview, das sich erheblich von der Mainstream-Berichterstattung abhebt und dadurch gerade so interessant ist. Die im Interview genannten tatsächlichen Angaben kann man meines Erachtens im heutigen digitalen Zeitalter leicht nachprüfen. Und genau das werde ich tun.

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