Die feministische Selbstdemontage

Der moderne Feminismus hat ein Problem: Viele Anhängerinnen diskutieren zu laut und zu wütend über Sprache, Mütter und Vorstandsposten. Kritik lassen sie kaum gelten.

Von Meike Lobo

http://www.zeit.de/kultur/2016-03/feminismus-kritik-debatte-frauen

Ein lesenswerter kritischer Artikel der Bloggerin und Biologin Meike Lobo über die Auswüchse des modernen Feminismus.

Lobo ist der Ansicht, dass der moderne Feminismus „viel Zeit damit“ verbringt, „über social freezing, geschlechtergerechte Sprache und Vorstandsposten zu diskutieren, „anstatt etwa häuslicher Gewalt oder der überwiegend schlechten Situation alleinerziehender Mütter den Kampf anzusagen“. Dies sei der gelangweilte, übersättigte Selbstverwirklichungsfeminismus privilegierter Frauen, die kaum noch echten Grund zum Klagen haben.

Obwohl es zahlreiche Hinweise darauf gebe, dass die Geschlechter nicht gleich sind, lasse die Frauenbewegung angeborene Faktoren, die über reine Körperanatomie hinausgehen, bis heute kaum gelten. Der Feminismus hätte vielmehr jahrzehntelang versucht, den Frauen einzureden, dass sie wie Männer seien und lediglich soziale Prägung sie daran hindern würde, auch so zu leben.

Es finde eine Abwertung des Weiblichen durch das Patriarchat statt. Der moderne Feminismus erkläre das Weibliche jedoch für nichtexistent. Unter dem Deckmäntelchen der Chancengleichheit werde weiblicher Identität und Individualität ein männliches Lebensmodell übergestülpt. Folge hiervon sei die ultimative Assimilation des Weiblichen. Der Erzfeind der Frauenbewegung sei heute nämlich nicht das Patriarchat, sondern die Frau, die ihr Leben der Kindererziehung widmet und sich mit einer Halbtagsstelle zufrieden gibt. Der beruflich unehrgeizigen Mutter, die Kind und Haushalt mindestens ebenso viel Zeit widmet wie dem Beruf, werde daher von dieser Bewegung jede Form von Anerkennung versagt. Der traditionell weibliche Weg werde abgewertet, weil die Frauenbewegung ausschließe, dass auch der traditionelle Weg ein selbstbestimmter sein kann.

Damit offenbare sich der Feminismus nicht als Bewegung gegen die Unfreiheit, sondern gegen eine ganz bestimmte Art zu leben.

Dass dieser Artikel von Lobo für viel Wirbel in den sozialen Medien sorgte, ist nicht verwunderlich. 

Die Autorin geht in einem separaten Artikel auf ihrem Blog auf die diesbezüglichen Reaktionen ein. Auch dieser Artikel ist sehr lesenswert.

Interessant ist auch die Replik eines männlichen (!) Autors, der Lobo die Propagierung eines leisen und verniedlichten Feminismus vorwarf.

Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Ich habe den Artikel von Lobo dahingehend verstanden, dass der moderne Feminismus sich für Themen engangieren soll, die wirklich dringend und notwendig sind (z.B. Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen in der Dritten Welt). Er soll ihrer (und auch meiner Ansicht nach) lernen, Kritik zu vertragen und damit sachlich umzugehen. Ich könnte noch die Entwicklung von Humor hinzufügen, für den der Feminismus vermutlich nicht viel übrig hat. Oder bin ich die einzige, die diese modische Entgleisung des Physikers Matt Taylor, ein galaktisches Hemd mit vollbusigen Comic-Frauen, lustig findet und nicht frauenfeindlich? Hätte es ebenfalls eine Welle der feministischen Entrüstung gegeben, wenn eine Frau das gleiche Hemd getragen hätte?

Haben die Hardcore-Feministinnen diesen armen Mann mit dem besonderen Modegeschmack tatsächlich zum Weinen gebracht?! (4:36)

Vor nicht allzu langer Zeit kam mir der Gedanke, dass wir Frauen mit der Freiheit nicht weit gekommen sind. Früher durften wir nicht arbeiten gehen, heute nicht daheim bleiben.

In diesem Zusammenhang finde ich den Erfolg der Buchtrilogie „Shades of Greysehr aussagekräftig, von der sich weltweit mehr als 100 Millionen Exemplare verkaufen ließen, allein 5,7 Millionen Mal in Deutschland. Die israelische Kultursoziologin Eva Illouz sieht den Erfolg dieser Trilogie insbesondere bei Frauen darin begründet, dass durch die Infragestellung von herkömmlichen Geschlechterrollen moderne Beziehungen von Unsicherheit geprägt seien. Die Praktizierung von BDSM sei ein Weg zur Restabilisierung dieser Geschlechterrollen.

Muss man aber gleich zur Peitsche und zum Latex greifen, um in unserer modernen Gesellschaft den „verpönten“ Traum von einer tradtionellen Rollenverteilung nachkommen zu können? Ist das die Art von Selbstbestimmung, die wir wollen?

Wie dem auch sei, meine Hochachtung gilt weiterhin den Menschen (ob Männlein oder Weiblein), die sich tatsächlich in den „Dreck“ werfen sowie persönliche und wirtschaftliche Einbuße in Kauf nehmen , um benachteiligten Menschen weltweit eine Verbesserung der Lebenssituation zu ermöglichen. Taten zählen mehr als Worte.

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