Cool, aber jüdisch

Ein 14-Jähriger mit jüdischem Glauben hat an der Berliner Friedenauer Gemeinschaftsschule mehr Multikulti erlebt, als ihm gut tat.

Multikulti – aus diesem Grund haben die Eltern den Jugendlichen auf diese Gesamtschule geschickt, die größtenteils von arabischen und türkischen Kindern besucht wird. Aus Freundschaft wurde Hass, als der Jugendliche seinen Mitschülern offenbarte, dass er Jude ist.

Ein monatelanges Martyrium durch Attacken türkisch- und arabischstämmiger Schüler begann, das mit Sätzen wie „Du bist eigentlich ein cooler Typ, aber ich kann nicht mit dir befreundet sein“ begann und mit Bedrohung durch eine täuschend echte Spielzeugpistole endete. Der jüdische Jugendliche hat diese Multikulti-Schule verständlicherweise verlassen, er besucht jetzt eine englische Schule.

Dieser Fall macht nicht nur den steigenden Antisemitismus in arabischen bzw. muslimischen Kreisen deutlich, der durch die Migration der letzten Jahre auch in Deutschland an Aufschwung gewonnen haben dürfte. Laut Umfrage aus 2015 empfänden 56 Prozent der Muslime in Deutschland Judenhass. Die seit 2015 aufgenommenen Migranten aus dem islamischen Raum sind in dieser Zahl noch nicht miterfasst. Insgesamt seien 16 Prozent aller Einwohner der Bundesrepublik von Antisemitismus befallen.

Interessant an diesem Fall sind auch die reflexartigen verharmlosenden Rechtfertigungsbemühungen seitens einiger Eltern der betroffenen Gesamtschule, die in einem offenen Brief darzulegen versuchten, weshalb der Vorfall nur Ausfluss des Nahostkonflikts sei. Wörtlich heißt es hierzu:

Seit Jahrzehnten existiert im Nahen Osten ein nicht enden wollender Konflikt zwischen Arabern und Juden. Eine Stadt wie Berlin, in der Menschen beider Religionen und Kulturen (und noch vieler mehr) leben – was unserer Meinung nach ein enormer Reichtum ist – kann vor den Auswüchsen internationaler Konflikte, wie des Nahostkonflikts, nicht verschont bleiben. Wie kann also eine Schule mit einer Schüler_innenschaft, die sich aus vielen Nationen zusammensetzt, davor gefeit sein, dass es zu religiös motivierten Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen und Schülern kommt?

Nun könnte man sich erstens die Frage stellen, was ein in Deutschland lebender Junge mit Wurzeln in England mit dem fernen Nahostkonflikt zu tun haben könnte. Vermutlich sind die jugendlichen Täter in Deutschland aufgewachsen, gar geboren, sodass sie ebensowenig von diesem Konflikt im Nahen Osten betroffen sein dürften. Warum wird dann immer wieder dieses Argument „Nahostkonflikt“ hervorgeholt, das Antisemitismus zu verharmlosen, gar zu verschleiern versucht? Mit diesem Argumentationsmuster könnte man auch Terrorattacken in Deutschland zu rechtfertigen versuchen, beispielsweise durch den Hinweis auf den Bundeswehreinsatz in Syrien. Was hätten aber die Opfer des Berliner Weihnachtsmarktes mit Syrien zu tun? Genauso wenig können die hier lebenden Juden für den Nahostkonflikt zur Verantwortung gezogen werden, zumal kein Konflikt dieser Welt tätliche Angriffe rechtfertigen kann, wie jüngst auch von der Berliner Senatorin Dilek Kolat (SPD) ausdrücklich bekundet wurde:

Nichts kann diese brutale Tat rechtfertigen, keine Weltanschauung, keine Religion und keine Art der Erziehung. Wird ein jüdischer Schüler von seinen muslimischen Mitschüler*innen wegen seiner Religionszugehörigkeit angegriffen, so sind die Täter ganz klar als Antisemiten zu identifizieren.

Warum wird im Leserbrief nicht ausgesprochen, was wirklicher Grund für die Attacken gegen Juden sind? Nämlich schlicht und einfach: Hass.

Die Belange des betroffenen Jugendlichen werden im obigen Leserbrief lediglich in einem knappen Absatz umrissen. Der Rest des Briefs besteht aus Schuldzuweisungen gegen den Tagesspiegel, Verherrlichung der in Rede stehenden Gemeinschaftsschule sowie Warnung vor einer Stigmatisierung von Muslimen. Problembewusstsein sucht man in diesem Leserbrief vergeblich. Es zeugt vor allem nicht von Problembewusstsein, antisemitische Attacken lediglich als „religiös motivierte Auseinandersetzungen“ zu bezeichnen.

Ist diese Gemeinschaftsschule tatsächlich „Vorreiter und Vorbild für zahlreiche Projekte“, die für „Toleranz, einen offenen Austausch und ein friedliches Miteinander vielfältiger Kulturen und Religionen“ stünden, wie im Leserbrief enthusiastisch gepriesen wird? Wohl kaum.

In diesem Zusammenhang ist der nachfolgende Cicero-Artikel vom 03.04.2017 aufschlussreich, der „harte Fakten“ nennt, zum weltweiten Antisemitismus und auch hier im Lande.

Wie groß ist die Gefahr für jüdische Kinder?

Nach offenbar antisemitisch motiviertem Mobbing an einer Berliner Gemeinschaftsschule warnen jüdische Vertreter vor zunehmendem Judenhass in Deutschland. Weltweite Studien zeigen, dass dieser unter Muslimen besonders weit verbreitet ist

von Gunnar Heinsohn

http://cicero.de/berliner-republik/antisemitismus-wie-gross-ist-die-gefahr-fuer-juedische-kinder

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