Der Überlebende

Imre Kertész fand eine Sprache für das Unsagbare. In seinem Werk ging es ihm um die literarisch ausgedrückte Wahrheit des Holocaust. Zum Tod des Nobelpreisträgers

Von Fokke Joel

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2016-03/imre-kertesz-nachruf

Kertész begriff den Holocaust als universale Katastrophe der europäischen Kultur. Mit Auschwitz gehöre die fabrikmäßige Ermordung von Menschen nicht allein zur deutschen, sondern auch zur europäischen Kultur. Daher werde und dürfe uns Nachgeborenen das Bewusstsein des immer wieder möglichen Bankrotts dieser Kultur nicht mehr verlassen.

 

The oldest man on earth – Holocaust survivor Israel Kristal

The oldest living man in the world is a survivor of Auschwitz, the biggest death camp in the history of mankind, and he has lived in Haifa, Israel since 1950. Israel Kristal, 112.5, Israeli Holocaust survivor, was officially announced on Friday by Guinness World Records as the oldest known man living.

By Ron Paz, Israel Government Press Office

http://mfa.gov.il/MFA/IsraelExperience/People/Pages/Oldest-man-on-earth-Holocaust-survivor-Israel-Kristal-14-Mar-2016.aspx#

Eine tolle Nachricht, die mir den Tag auf jeden Fall versüßen wird!

Ich wünsche euch allen, ob persönlich bekannt oder nicht, ein wunderschönes Osterfest!

 

„Mein Vater gehörte zur Elite des NS-Staates“

Die Neuverfilmung von „Das Tagebuch der Anne Frank“ kommt am Donnerstag in die Kinos. Das Drehbuch stammt vom Juristen Fred Breinersdorfer, der im Interview verrät, warum er sich erneut mit einem Stück über die NS-Zeit befasst hat.

Holocaust-Überlebende: Wall of Witnesses

Ich bin auf ein interessantes Projekt von ICEJ gestoßen!

Das Projekt „Wall of Witnesses“ gibt Holocaust-Überlebenden Raum für ihre Zeugnisse und Lebensgeschichten. Es sind Menschen, die Auschwitz oder Treblinka überlebt haben, Todesmärsche oder andere Orte der Vernichtung.

In den Profilen werden anfangs die persönlichen Daten der Überlebenden angezeigt. Danach folgt die jeweilige Überlebensgeschichte dieser abgebilderten Menschen, die sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gelesen werden kann.

Intention von „Wall of Witnesses“ ist nicht nur die Erhaltung der Lebensgeschichten dieser Holocaust-Überlebenden für die Nachwelt, sondern auch der Versuch, dem grassierenden Antisemitismus Einhalt zu gebieten.

 

„Jedes Licht, auch das kleinste, durchbricht die Finsternis.“

Dieses Zitat stammt vom Jobst Bittner, Pastor einer Gemeinde in Tübingen und Mit-Initiator des jährlichen „Marsch des Lebens„. Bittner sprach am 27.01.2016 anlässlich des von der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalems (ICEJ) veranstalteten Holocaustgedenktags in Stuttgart.

Ehrengast des Abends war der Holocaust-Überlebende Yossef Aron aus Jerusalem, der für Judith Rosenzweig einsprang. Frau Rosenzweig musste ihre Teilnahme wegen Krankheit absagen.

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Yossef Aron

Yossef Aron wurde 1935 in Frankfurt geboren. 1942 wurde er nach Bergen-Belsen transportiert. Kurz nach Ende des Krieges wanderte er nach Israel aus. Da er durch den Holocaust seine gesamte Familie verloren hat, sei er in Israel anfangs ganz auf sich alleine gestellt gewesen. Obdachlos und ohne Familie, habe er sich aus Mülleimern ernährt, bis er schließlich Zuflucht bei einer Familie Rubinstein fand.

Yossef Aron erzählte seine tragische Lebensgeschichte ohne jede Bitterkeit. Geholfen habe ihm in seinem Leben der Glaube an Gott, der immer bei ihm sei. Er forderte die Zuhörer auf, nach Israel zu kommen, da „es ein wunder-, wunderschönes Land mit allem Drum und Dran“ sei, „das schönste Land, das es gibt“. Yossef Aron sprach am Ende seines kurzen Vortrags die Hoffung aus, „dass am Ende alles gut wird“.

Impressionen des Gedenkens

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Dr. Dan Shaham Ben Hayun, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland
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Kranzniederlegung am Holocaust-Denkmal
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Davidstern am Holocaust-Denkmal
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Devise für die Zukunft

Éva Fahidi: „Sea-Lavender oder die Euphorie des Seins“

Die 90-jährige Jüdin Éva Fahidi stammt aus Ungarn. Sie hat als einzige ihrer Familie Auschwitz und Buchenwald überlebt. Über ihre Verfolgung hat sie das Buch „Die Seele der Dinge“ geschrieben, das 2004 erstmals erschien, fast 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Das Buch ist nicht nur ein „eindringliches Zeugnis des Holocaust, sondern porträtiert zugleich eine Familiengeschichte und vergangene Epoche.

Leseprobe „Die Seele der Dinge“.

Frau Fahidi tanzt jetzt in einem biografischen Stück mit, das den Titel „Sea-Lavender oder die Euphorie des Seins“ trägt. Das Tanztheaterstück ist in ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Premiere ist am 24.01.2016 im Berliner Theater im Aufbau.

Warum wurde der Meerlavendel als Titelgeber gewählt?

 Das Video kann nur auf YouTube angesehen werden.

 

Ein ungelesener Bestseller?

Beharrlich hält sich der Glaube, die Deutschen hätten „Mein Kampf“ nur gezwungenermaßen besessen und oft erst gar nicht aufgeschlagen. Vieles spricht dagegen.

Ein Gastbeitrag von

http://www.zeit.de/2015/49/mein-kampf-adolf-hitler-nationalsozialismus-leser

Laut Plöckinger soll die Bibel des braunen Volkes, „Mein Kampf“, bereits vor der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 ein enormer verlegerischer Erfolg gewesen sein. Die sog. „Volksausgabe“, die die zwei Bände von „Mein Kampf“ zusammenfasste, wäre so begehrt gewesen, dass der braune Eher-Verlag, der die Hitlerschen Kämpfe und Krämpfe herausgab, sich schon wenige Wochen nach Erscheinen der billigeren „Volksausgabe“ im Mai 1930 für Lieferschwierigkeiten entschuldigen müsste.

Auch 1932/33 hätte ein großes öffentliches Interesse an „Mein Kampf“ bestanden. So soll etwa eine Million Exemplare ohne Zwang und staatliche Geschenkaktionen vom „Volk“ erworben worden sein. Darüber hinaus würden die hohen Ausleihzahlen öffentlicher Bibliotheken in dieser Zeit für ein großes Interesse an diesem Buch sprechen. Ab 1938/39 hätte dann der freie Verkauf von „Mein Kampf“ und die diesbezüglichen Ausleihzahlen in den Bibliotheken wieder deutlich zugenommen.

Wie viel der Normalbürger von den Verbrechen der Nazis und dem braunen Wahnsinn hätte wissen können, zeigt sehr anschaulich das Tagebuch, das Friedrich Kellner von 1939 bis 1945 führte.

Weiterlesen „Ein ungelesener Bestseller?“

Gedenkveranstaltung: 71 Jahre Befreiung von Auschwitz-Birkenau

Die ICEJ veranstaltet am 27.01.2016 (Internationaler Holocaustgedenktag) wieder eine Gedenkfeier in Stuttgart mit Kranzniederlegung und Lichterentzünden am Holocaustmahnmal. Die Auschwitz-Überlebende Judith Rosenzweig wird dieses Jahr als besonderer Ehrengast anwesend sein. Darüber hinaus haben weitere jüdische Ehrengäste sowie hochrangige Politiker aus Israel und Deutschland ihr Kommen zugesagt.

Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen gibt es hier:

http://de.icej.org/gedenkveranstaltung-am-27-januar-2016-stuttgart

Mut und Menschlichkeit

Yad Vashem ehrt posthum Hans Feyerabend als »Gerechter unter den Völkern«

Von Naomi Bader

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/24023

Mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ werden nichtjüdische Menschen geehrt, die während des Holocaust ihr Leben riskierten, um Juden zu retten.

Hans Feyerabend versuchte vergeblich, das größte NS-Massaker in Ostpreußen zu verhindern. Es fand noch Ende Januar 1945 in Palmnicken statt und kostete über 3.000 jüdische KZ-Häftlinge, meist Frauen, das Leben. Ursprünglich waren es mehr als 5.000 Gefangene, die nach Auflösung der Stutthofer Außenlager in Ostpreußen von Königsberg Richtung Palmnicken getrieben wurden. Nur etwa 3.000 überlebten den knapp fünfzig Kilometer langen Marsch. 2.000 Häftlinge wurden auf dem Weg vom Begleitkommando erschlagen oder erschossen, alles auf offener Straße, am helllichten Tag.

Die SS plante, diese Häftlinge in Stollen der stillgelegten Grube Anna des Bernsteinwerkes in Palmnicken einzumauern. Der Bergwerksdirektor, ein Herr Landmann, gab entgegen der SS-Pläne jedoch keinen Stollen frei. Er ließ die erschöpften und halb erfrorenen Opfer stattdessen in der sehr großen Schlosserei des Werks unterbringen.

Auch Feyerabend, Güterdirektor des Bernsteinwerks, weigerte sich, den Befehlen der SS zu folgen. Diese Aussage von ihm soll vielfach bezeugt worden sein:

Solange er lebe, würden die Juden zu essen bekommen, keiner werde umgebracht, aus Palmnicken dürfe kein Katyn werden.

Feyerabend ließ die Häftlinge versorgen und schützte sie in seinem Bernsteinwerk. Er wurde jedoch wenig später aus dem Weg geschafft. Man fand ihn mit dem eigenen Gewehr durch den Mund geschossen. Ob es tatsächlich ein Selbstmord war, ist bis heute ungeklärt.

Die 3.000 meist weiblichen Häftlinge wurden darauffolgend in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1945 von der SS unter Feuer aus Maschinenwaffen auf das Eis und ins Meer getrieben. Nur 18 von ihnen konnten überleben.

Hier ein sehr guter ZEIT-Artikel über das Massaker von Palmnicken:
http://www.zeit.de/2002/07/200045_palmnicken_xml

Informationen über die Gedenkstätte in Palmnicken:
http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/774/Holocaustdenkmal-Palmnicken