Miss Holocaust: 83-Jährige gewinnt umstrittenen Model-Wettbewerb

Sie lebten in Ghettos oder in Konzentrationslagern – heute gehen sie über den Laufsteg: Bei einem Schönheitswettbewerb in Israel traten ausschließlich Holocaust-Überlebende an. Die Veranstaltung erntet Lob und Kritik.

http://www.handelsblatt.com/video/panorama/israel-miss-holocaust-83-jaehrige-gewinnt-umstrittenen-model-wettbewerb/12643108.html

Die 83-jährige Gewinnerin stammt aus Rumänien. Wenn ich mich nicht täusche, läuft auch Judith Rosenzweig mit, die als Mädchen von Zimmer 28 bekannt wurde (ab 0:16). Ich habe über ihre Geschichte bereits einen Artikel geschrieben.

Die Models im besten Alter scheinen Spaß zu haben. Das ist letztendlich das Wichtigste. Schließlich gilt die Veranstaltung ausschließlich ihnen, den Holocaust-Überlebenden. Laut Bericht soll es in Israel noch rund 200.000 Holocaust-Überlebende geben.

Die „Miss Holocaust“-Wahl wurde erstmals im Jahr 2012 durchgeführt. Hier ein Video dazu:

 

Epilog: Der Mufti und die Deutschen

Meine Blickweise auf den Palästina-Konflikts zwischen 1920 und 1948 unterscheidet sich von anderen Darstellungen signifikant. Dies gilt besonders für Texte, die wie Walter Hollsteins Kein Frieden um Israel oder Helga Baumgartens Palästina: Befreiung in den Staat vorzugsweise in der Linken rezipiert worden sind. Warum wird darin so selten die Stärke der palästinensischen Fraktionen erwähnt, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten? [Weiterlesen]

von Matthias Küntzel

Wer noch nicht genug von Muftis und Nazis hat, findet hier einen weiteren interessanten Beitrag von Matthias Küntzel, der Politikwissenschaftler und Historiker ist und insbesondere zum Thema Antisemitismus forscht.

In seinem Artikel geht der Autor vor allem der Einflußnahme der Nazis auf die Frühgeschichte des Nahostkonflikts nach, die „ebenso bedeutsam wie folgenreich“ gewesen sei. Die NSDAP habe bei der Formulierung des antisemitischen Antizionismus eine Vorreiterrolle gespielt. Auch hätten erst die Waffenlieferungen und Finanzhilfen aus Nazi-Deutschland den vom Mufti geleiteten „Aufstand“ in Palästina ermöglicht.

Küntzel macht in seinem Beitrag darauf aumerksam, dass es durchaus palästinensische Kräfte gegeben hätten, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten. Diese Politiker seien vom Mufti jedoch aus dem Weg geräumt worden.

Weiterhin ist es interessant, dass Küntzel zufolge „alle wichtigen Weichenstellungen zur Torpedierung einer arabisch-jüdischen Verhandlungslösung schon in der Phase der Nazi-Mufti-Kooperation“ stattgefunden hätten, wie die „Ausschaltung der palästinenischen Politiker, die eine Zwei-Staaten-Lösung befürworteten, Einschwörung der arabischen Welt auf den eliminatorischen Antizionismus“ oder die „Islamisierung des Palästina-Konflikts“.

Aspekte, die meines Erachtens immer noch hochaktuell sind. Sind es gerade diese Punkte, die einer dauerhaften Lösung des Nahostkonflikts im Weg stehen? Ich habe die Vermutung, dass es nicht primär der Siedlungsbau oder die unstreitig schlechten Lebensbedingungen im Gazastreifen sind, die immer wieder für Ausschreitungen seitens der Palästinenser sorgen, sondern gerade Elemente dieses „eliminatorischen Antizionismus“.

Ein genialer Schnitzer und seine Folgen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat mit „einem Schnitzer“ das geschafft, was auf korrektem Wege nie möglich gewesen wäre: Die Rolle des Mufti von Jerusalem ist plötzlich präsent. Und weil alle Welt beim Bibi – Bashing noch eins drauf setzt, bleibt das Thema auch bei Freund und Feind auf der Agenda.

Von Ulrich W. Sahm

http://www.audiatur-online.ch/2015/10/28/ein-genialer-schnitzer-und-seine-folgen/

Ein sehr interessanter Beitrag von Ulrich W. Sahm, der als Nahost-Korrespondent für deutsche Medien in Jerusalem lebt, über die Liaison zwischen dem Mufti el Husseini, seinem Gefolge und den Nazis. Durch „faehrtensuche“ wurde ich auf diesen Artikel aufmerksam.

Die Einflüsse des Mufti sollen bis heute sichtbar sein. Durch seine Propagandasendungen, die er gemeinsam mit seinem Kumpel Fawzi al Kutub von Berlin aus in die arabische Welt trug, hätte er das „Deutschlandbild“ in der arabischen Welt geprägt. Bis heute soll Hitlers Buch „Mein Kampf“ in der arabischen Welt ein Bestseller sein. Bei Hisbollah-Kämpfern, Aktivisten der Hamas und in der Fatah-nahen El Kuds Universität in Ostjerusalem wird laut Sahm immer wieder bei Massenveranstaltungen die Hand zum Hitlergruß erhoben. Das von den Nazis initiierte und vom Mufti Hadsch Amin el Husseini in die arabische Welt getragene geistige Erbe – nämlich der Kampf für eine „judenreine“ Welt – wirke bis heute nach.

Es sei das ungewollte „Verdienst“ Netanjahus, die Welt auf diese verdrängten Tatsachen aufmerksam gemacht zu haben.

Wer war der Mufti, der die Nazis unterstützte?

Er soll Hitler zum Holocaust angestiftet haben? Netanjahus Behauptung ist abwegig. Ein Faktencheck für alle, die den Mufti von Jerusalem nicht mehr kennen

Ein Gastbeitrag von

http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2015-10/holocaust-jerusalem-amin-al-husseini-netanjahu-hitler-mufti

Ein interessanter Artikel vom Historiker Hans Goldenbaum, der zurzeit in Jerusalem zu den Beziehungen zwischen arabischen Nationalisten und Zionisten in den 1930er und 1940er Jahren forscht.

Goldenbaum zufolge hätte der Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, kaum irgendeinen Einfluss auf führende Kreise des nationalsozialistischen Apparats gehabt. Vielmehr hätten nationalsozialistische politische und militärische Strukturen seine Anwesenheit für propagandistische und strategische Zwecken genutzt. Husseini war jedoch unstreitig radikaler Antisemit und hatte die Ziele der Achsenmächte (insbesondere das Deutsche Reich, Italien, Japan) unterstützt.

Der (noch so geringe) Einfluss Husseinis war von mörderischer Art: Al-Husseini wäre nicht nur über die Realität der deutschen Vernichtungspolitik im Osten informiert gewesen, sondern hätte auch mehrfach aktiv bei verantwortlichen Stellen interveniert, um den Austausch jüdischer Häftlinge beziehungsweise die Ausreise von Juden in Richtung Palästina zu verhindern. 1943 soll al-Husseini zum Beispiel die Freilassung von 5000 jüdischen Kindern verhindert haben, die auf Initiative des Roten Kreuzes gegen 20.000 gefangene Deutsche ausgetauscht werden sollten. Durch seine persönliche Intervention bei Heinrich Himmler soll Husseini erreicht haben, dass diese Kinder stattdessen in deutsche Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.

Der Holocaust sei laut Goldenbaum schon in vollem Gange gewesen, als Husseini 1941 in Berlin auf Hitler traf. Dieser hätte Husseini die Ausweitung der Vernichtungspolitik auf den Nahen Osten im Falle eines deutschen Sieges angekündigt. Dieser Fall traf nie ein.

Netanjahu gibt Palästinenser-Mufti Verantwortung für Holocaust

Nach Ansicht des israelischen Ministerpräsidenten stiftete der palästinensische Großmufti Hitler zum Holocaust an. Dieser habe die Juden zunächst nur vertreiben wollen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/israel-benjamin-netanjahu-adolf-hitler-holocaust-mufti

Im NS-Archiv gibt es eine Aufzeichnung von einem Gesandten Schmidt, die eine Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem Großmufti von Jerusalem Hadji Mohammed Amin el Hussein zum Inhalt hat. Der Großmufti reiste im November 1941 nach Berlin.

Zumindest haben die beiden dem Dokument zufolge zusammen Welteroberungspläne geschmiedet und von einer „judenfreien“ Welt geträumt.

„Rache war nicht sein Antrieb“

Burghart Klaußner spielt in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ die Rolle des bekannten Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der an der Wiederaufnahme des Falles Adolf Eichmann maßgeblich beteiligt war. Im Interview erzählt der Schauspieler von den Stärken und Schwächen eines deutschen Helden

Von Alexander Kissler

http://www.cicero.de/salon/burghart-klaussner-spielt-fritz-bauer-rache-war-nicht-sein-antrieb-rache-ist-nur-ein-affekt

Ein interessantes Interview mit Burghart Klaußner, der im Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ den berühmten Staatsanwalt verkörpert. Der Film läuft ab heute in den deutschen Kinos.

Hätte ich einen Juristen als Vorbild, dann wäre es wohl Fritz Bauer.

„Nach § 2 war ihre Rasse die jüdische Religion“

Am 15. September 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze“ verabschiedet – „zum Schutze des deutschen Blutes“, wie es auf Nazi-Deutsch hieß. Den Kommentar verfasste ein späterer Kanzleramtsminister.

Von L. Joseph Heid

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article146408849/Nach-2-war-ihre-Rasse-die-juedische-Religion.html

Der betreffende Kanzleramtsminister war Hans Maria Globke, der zusammen mit Wilhelm Stuckart, einem weiteren Rechtsverdreher, die Nürnberger Gesetze kommentierte.

Globke wurde zumindest 1963 vom Obersten Gericht der DDR in Abwesenheit zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Stuckart wurde 1947 im sog. Wilhelmstraßen-Prozess angeklagt. Er wurde zu fast 4 Jahren Haft verurteilt.

Der obige Artikel von Heid gibt einen guten Überblick über das politische Klima, das den Nürnberger Gesetzen vorausging und ihnen den Nährboden bereitete. Es war neu für mich, dass der ultrareligiöse Teil der jüdischen Gemeinschaft diese neue Gesetzgebung begrüßt haben soll, da hierdurch nunmehr eine getrennte Erziehung möglich und ausdrücklich das Verbot von „Mischehen“ gesetzlich festgeschrieben wäre.

Die Nürnberger Gesetze umfassten streng genommen nur zwei Gesetze, nämlich das sogenannte Blutschutzgesetz und das Reichsbürgergesetz. Heute wird das Reichsflaggengesetz aber ebenfalls den Nürnberger Gesetzen zugeordnet.

Wer sich diesen juristischen Wahnsinn ansehen will, wird hier fündig:

Klicke, um auf 13_Nuernberger_Gesetze.pdf zuzugreifen

Im Artikel wurde ich auf den Begriff Erlösungsantisemitismus gestoßen, den ich bislang nicht kannte. Er prägte nicht nur die nationalsozialistische Weltanschauung, sondern soll im Dritten Reich sogar ein Glaubensbekenntnis, eine Art Ersatzreligion für Millionen von Deutschen gewesen sein. Der Begriff „Erlösungsantisemitismus“ wurde vom Historiker Saul Friedländer hervorgebracht, der damit den Glauben der Nazis beschrieb, dass „die deutsche Volksgemeinschaft erst nach der «Entfernung» der Juden erblühen könne“.

We will never forget

Das israelische Generalkonsulat in Shanghai () hat ein süßes Video produziert, mit dem es sich bei Shanghai für die Rettung zehntausender Juden während des Zweiten Weltkriegs bedankt.

Der Generalkonsul des Staates Israel in Shanghai, Arnon Perlman, sagte: „Das Volk Israel wird nie vergessen, dass uns die Menschen in China in unserer dunkelsten Stunde geholfen haben. […] Wir haben dieses Video in der Hoffnung gedreht, dass viele Menschen in China und auf der ganzen Welt es sehen können und unsere Dankbarkeit für die Hilfe der Chinesen spüren können.“

Shanghai war eines der wenigen Orten, wohin die Juden nach der Reichskristallnacht 1938 fliehen konnten. Für die Ausreise aus dem deutschen Reichsgebiet waren Visa erforderlich, die ihnen vom chinesischen Generalkonsul in Wien, Ho Feng Shan, und vom japanische Diplomaten Sugihara Chiune in Litauen ausgestellt wurden. Diese Männer wurden als „Schindlers China“ bzw. „Japanischer Schindler“ bekannt. Beiden wurde der Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

Das „Shanghaier Ghetto“ kannte ich bislang nicht. Es wurde 1943 auf Geheiß der Japaner errichtet, die seit 1937 Shanghai besetzt hielten. Alle Juden, die nach 1937 in Shanghai eingetroffen waren, mussten ihre Wohnungen und Geschäfte in den „ausgewiesenen Bezirk“ verlegen. Dieses Ghetto wurde offiziell am 3. September 1945 befreit.

Die Antwort der Shanghaier auf die jüdische Grußbotschaft erfährt ihr hier:  🙂

http://xiexieshanghai.arma.tv/en.html

  1. oben links: xièxie () Shànghǎi () = Danke Shanghai
  2. oben rechts: qi () = Gern geschehen
  3. unten links: biéqi () = Bitte sehr
  4. unten rechts: kann ich leider nicht lesen

Früherer SS-Mann Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt

Im Auschwitz-Prozess hat das Landgericht Lüneburg den früheren SS-Mann Oskar Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt. Er habe sich der Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen schuldig gemacht. Der 94 Jahre alte Gröning hatte im Prozess Reue gezeigt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/urteil-im-auschwitz-prozess-4-jahre-haft-fuer-ss-mann-groening-13703800.html

Das Urteil wird von den Kommentatoren sehr kontrovers diskutiert.

Aber meiner Ansicht nach ist es wichtig, das Gesamtbild zu sehen, nicht nur den alten 94-jährigen Verurteilten, der keiner Fliege etwas zuleide zu tun scheint und auch bei mir Mitleid hervorruft. Ich stelle gerne die Frage in den Raum, wie diese Kommentatoren reagieren würden, wenn nicht die „anderen“, sondern sie selbst und ihre Familie Opfer dieser Mordmaschinerie waren und noch sind. Würden auch nicht sie eine Art von „Gerechtigkeit“ anstreben?

Für Gerechtigkeit kann es aber nie zu spät sein.