Goodbye SPD…

Ich finde es sehr aussagekräftig, wie liberale Muslime, besonders die in Deutschland geborenen, den Umgang der hiesigen Politik mit dem (politischen) Islam beurteilen. Der Rechtsanwalt Erol Özkaraca war so entsetzt über den Umgang der SPD mit dem politischen Islam, dass er gar aus dieser Partei austrat, nach 23 Jahren Mitgliedschaft und 5 Jahren als SPD-Abgeordneter in Berlin.

Seine Motive für diesen Austritt und weitere interessante Details lassen sich im folgenden Cicero-Interview vom 24.03.2017 nachlesen:

„Die SPD wollte mich zum Türkensarrazin machen“

Der frühere Berliner Abgeordnete Erol Özkaraca ist nach 23 Jahren aus der SPD ausgetreten. Er ist erzürnt über den zu toleranten Umgang seiner Partei mit dem politischen Islam. Der habe sich bei einer Friedensdemonstration für die Opfer des Berliner Terroranschlags erneut gezeigt

von Ramon Schack

http://cicero.de/berliner-republik/Parteiaustritt-%E2%80%9EDie-SPD-wollte-mich-zum-T%C3%BCrkensarrazin-machen%E2%80%9C

 

 

Wie sich die konservativen Islamverbände wegducken

Die größte Gefahr geht nach Ansicht des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi nicht von polizeibekannten Salafisten aus, sondern von den konservativen muslimischen Dachverbänden. Sie seien noch „meilenweit“ von einem aufgeklärten Islam entfernt. Ourghi fordert drastische Maßnahmen

von Abdel-Hakim Ourghi

http://www.cicero.de/salon/terror-wie-sich-die-konservativen-islamverbaende-wegducken

Ein sehr interessanter Artikel des Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi, der den Fachbereich Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau leitet. Ourghi gehört vermutlich den liberalen Strömungen des Islams an. Er setzt sich für einen sog. humanistischen Islam ein.

Vollständige Sendung in der Mediathek.

Nachtrag:

Die neue WDR-Sendung „Ihre Meinung“ hat ein interessantes Format. Die Moderatorin Bettina Böttinger gibt dem Publikum vor Ort die Möglichkeit, direkt mit den Experten im Studio zu diskutieren. Regelmäßig werden Kommentare aus den sozialen Medien sowie andere schriftliche Stellungnahmen eingeblendet.Viel zu tun für Frau Böttlinger, die während der Sendung nur in Bewegung ist, um die Meinungen des Publikums einzuholen.

In der obigen Sendung, die ich empfehlen kann, standen folgende Experten dem Publikum Rede und Antwort:

Nurhan Soykan, Stellvertretende Vorsitzende vom Zentralrat der Muslime und Rechtsanwältin

Düzen Tekkal, u.a. Journalistin und sog. Islamkritikerin

Burkhard Freier, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen und Jurist.

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi war als Gast anwesend.

Im Rahmen dieser Sendung wurde eine aktuelle WDR-Umfrage präsentiert, derzufolge zwei Drittel der Deutschen die Auffassung vertreten, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Nur noch 34 Prozent stimmen jetzt dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ zu. 2010 schloss sich fast die Hälfte der Deutschen dieser Aussage an.

Hier drängt sich mir die Frage auf, welcher Islam zu Deutschland gehören soll. Den „einen“ Islam gibt es offensichtlich nicht. Die Bandbreite reicht von toleranten Strömungen bis hin zu Anhängern von „Kopf-Ab-Aktionen“.

Im Beitrag kam die Rede auf den radikalen Salafisten Ibrahim Abou-Nagie, der als als eine der führenden Personen des deutschen Salafismus gilt. Er ist Initiator der umstrittenen Koran-Verteilaktion „Lies“. Der Salafist, der für die sog. „wahre Religion“ eintritt, hält die deutsche Rechtsordnung nicht sehr hoch. Er war bereits mehrmals Subjekt staatlicher Ermittlungen. Am 11. Februar 2016 wurde Abou Nagie vom Amtsgericht Köln wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von dreizehn Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Nach Ansicht des Gerichts soll Abou Nagie Hartz IV-Leistungen in Höhe von insgesamt 53.000 Euro unrechtmäßig bezogen haben.

Gegen diese Koranverteilungsaktionen hat vor allem die Gruppe „12thMemoRise“ um den gebürtigen Iraker Hassan protestiert, die den Initiatoren vorwirft, Kämpfer für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu werben. „12thMemoRise“ tritt nach eigener Bekundung für einen „reformierten Islam mit einer deutschen Identität“ ein, der nicht „aus dem Ausland, aus Saudi-Arabien, der Türkei oder dem Iran finanziert wird“.

Die Gruppe von jungen Muslimen kündigte am 12.06.2016 auf YouTube an, dass sie aus Angst um ihre Sicherheit die Tätigkeit zukünftig einstellen wird.

Die Mitglieder seien als sog. „Abtrünnige“ erklärt worden, die vom Islam abgefallen seien (Apostasie).  Ein kurzer Blick ins Internet genügt, um zu erkennen, dass die irdischen Tage eines „Abtrünnigen“ gezählt sind. Die Apostasie wird islamrechtlich mit der Todesstrafe geahndet. Der Koran selbst soll jedoch keine Strafe im Diesseits vorsehen.

„12thMemoRise“ forderte im Hinblick auf die Drohungen in einem Video vom 03.06.2016 eine persönliche telefonische Stellungnahme von zwei schiitischen Verantwortlichen innerhalb einer Frist von 7 Tagen (4:48).

Die geforderte Stellungnahme ist laut Video vom 12.06.2016 ausgeblieben. Es bleibt abzuwarten, ob die Gruppe tatsächlich, wie angekündigt, „zurückkommen“ wird (10:36).

Muslimische Schüler müssen Lehrerin die Hand geben

Eine Schulbehörde in der Schweiz hat entschieden, dass Schüler zum Handschlag gezwungen werden können. Verweigern sie die Geste, drohen den Eltern hohe Geldstrafen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/schweiz-basel-handschlag-lehrerin-schueler

Die Schweizer machen es richtig.

Zwei syrische minderjährige Brüder können zukünftig dazu gezwungen werden, einer Lehrerin an der Sekundarschule in Therwil die Hand zu geben. Die Brüder haben dies bislang aus Glaubensgründen abgelehnt.

Die Schulbehörde im betroffenen Kanton Basel-Land hat die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Brüder aber für weniger schutzwürdig gehalten als das öffentliche Interesse an der Gleichstellung von Mann und Frau sowie der Integration von Ausländern. Dieses Interesse überwiege die Glaubensfreiheit erheblich, zumal der muslimische Glaube nicht in seinen zentralen Teilen berührt werde, wenn der Handschlag verlangt wird.

Sollen die Brüder weiterhin den Handschlag verweigern, droht den Erziehungsberechtigten im schlimmsten Fall eine Strafe von bis zu 5.000 Franken (4.500 Euro).

Interessanterweise soll laut Information der Schulbehörde einer der Jungen wegen Gewaltverherrlichung in sozialen Medien verwarnt worden sein. Er habe auf Facebook IS-freundliche Posts veröffentlicht. Dies könnte Auswirkungen auf laufende Einbürgerungsverfahren für die Familie haben. Ferner soll der Vater ein bekannter Imam mit radikalen Ansichten sein.

Wie heißt es gemäß dem neuen Integrationsgesetz so schön? Fördern und Fordern. Integration kann – auch zwangsweise – verlangt werden. Ein Staat darf und muss nicht Menschen aufnehmen, die eine „tickende Zeitbombe“ darstellen.

 

„Du hast drei Tage Zeit“

Sie sollte ihrem Glauben abschwören: Die Sudanesin Meriam Ibrahim weigerte sich und wurde zum Tode verurteilt. Eine italienische Journalistin organisierte die Rettung der Christin – und schrieb ein Buch darüber.

Von Antonella Napoli

http://www.zeit.de/2016/04/sudan-glaube-todesurteil-rettungskampagne

Unglaublich, dass man noch im 21. Jahrhundert allein wegen Konversion durch den Staat zum Tode verurteilt werden könnte. Gibt es außer dem Islam noch eine andere Religion, die die sog. Apostasie mit der Todesstrafe ahndet? Interessanterweise soll der Koran selbst für Apostasie keine Strafe im Diesseits vorsehen.

Meriam Ibrahim wurde wegen Ehebruch und Apostasie zu 100 Peitschenhieben und zum Tod durch den Strang verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit einem zweiten Kind schwanger.

Ihr wurde Apostasie vorgeworfen, obwohl sie nicht gewusst habe, dass ihr Vater Moslem gewesen sei. Vielmehr sei sie von klein auf im christlichen Glauben erzogen worden.

Die Sache mit dem vermeintlichen Ehebruch ist nicht weniger absurd. Der Ehemann von Meriam Ibrahim ist Christ. Als muslimische Frau hätte sie jedoch nur einen muslimischen Mann heiraten dürfen. Die Ehe mit einem Andersgläubigen sei nicht nur verboten und ungültig, sondern werde bestraft.

Wegen dieser abwegigen Vorwürfe wurde Meriam Ibrahim mit ihrem kleinen Sohn, keine 20 Monate alt, am 17. Februar 2014 ins Gefängnis geworfen, wo sie vor die“großzügige“ Wahl gestellt wurde: Bekehrung zum Islam oder Tod.

Meriam Ibrahim hat sich für den Tod entschieden, denn:

[...] Ich konnte meinen Glauben nicht verraten, der mich zu dem gemacht hatte, was ich war, und der meinem Leben einen Sinn gab. Der Glaube war meine Stärke, mein Halt, das Licht, das meine finstersten Momente erhellte.

Mit Hilfe der Journalistin Antonella Napoli und zahlreicher internationalen Organisationen und Akteure kamen Meriam Ibrahim und ihr Sohn schließlich am 23. Juni 2014 frei. Sie lebt jetzt mit ihrer Familie in den USA.

Über diese Rettungskampagne hat die Journalistin ein Buch mit dem Titel „Meriam – Mit der Kraft der Liebe gegen religiösen Fundamentalismus “ geschrieben, das seit Anfang 2016 erhältlich ist.

 

Salman Rushdie: Interview zur Freiheit des Wortes

Das Interview stammt vom 27.11.2015. Es wurde kurz nach den islamistischen Anschlägen in Paris am 13.11.2015 aufgenommen.

Salman Rushdie soll 12 Jahre lang im Versteck gelebt haben, nachdem der Iran, unser zukünftiger Busenfreund, ihn Ende der Achtziger mit einer Todes-Fatwa belegte bzw. verfluchte. Die Fatwa besteht immer noch. Seit einigen Jahren könne Rushdie aber wieder ohne Leibwächter das Haus verlassen und würde auch nicht mehr rund um die Uhr bewacht.

Ab 4:14 kommt eine interessante Aussage von Rushdie, derzufolge „wir“ [vermutlich der Westen] uns davor schützen sollten, „uns die Schuld zu geben, dass wir diesen Feind [„IS“ und andere Befürworter von Tod und Terror] haben“. Das sei nicht unser Fehler. Dieser Totenkult sei im Islam entstanden.

Diese Aussage ist für mich interessant, da es im Westen immer noch „Experten“ zu geben scheint, die den Zerfall des Nahen Ostens und das Erstarken des islamistischen Terros nur auf vermeintliche (politische) Versäumnisse des Westens zurückführen wollen. Ich bin keine Nahost-Expertin. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir alleine schuld daran sein sollen, dass irgendwelche Möchtegern-Märtyrer sich auch hier bei uns in die Luft sprengen oder Menschen erstechen wollen.

Hier das Interview:

http://www.cicero.de/videos/video-salman-rushdie-im-interview-zur-freiheit-des-wortes

Das neueste Buch von Rusdie heißt „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte„.

 

Keine Huris im Paradies

Wurde der Koran-Text falsch überliefert? Nicht Jungfrauen, sondern „weiße Trauben“ warten auf den Muslim im Jenseits. Ein deutscher Wissenschaftler hat frühe Textfragmente untersucht. Seine Quellenkritik bedroht die islamische Theologie

Von Jörg Lau

http://www.zeit.de/2003/21/Koran

Dieser Artikel datiert vom Mai 2003, ist meiner Ansicht nach aber immer noch hochaktuell. Beim obigen Wissenschaftler handelt es sich um einen promovierten Semitisten, der unter dem Pseudonym „Christoph Luxenberg“ ein Buch namens „Die syro-aramäische Lesart des Korans. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache“ geschrieben hat.

Laut Artikel bauen die berühmten Passagen im Koran über die vermeintlichen Huris auf dem Wort „hur“ auf, einem Adjektiv im weiblichen Plural, das im Arabischen lediglich „weiße“ bedeuten soll. Entgegen der Ansicht von arabischen Kommentatoren vertritt Luxenburg unter Hinzuziehung von aramäischen Quellen die Auffassung, dass „hur“ mit „weißen Trauben“zu übersetzen sei. Diese Auslegungsart würde innere Unstimmigkeiten mit anderen Aussagen des Korans über das Paradies verhindern. Den Gottesfürchtigen werde nämlich an anderer Stelle im Koran versprochen, dass sie im Jenseits mit ihren irdischen Gattinnen zusammengeführt würden, um mit ihnen „im Schatten auf Teppichen“ zu lagern. Kann aber die gleichzeitige Anwesenheit von Ehefrau und Geliebte das ersehnte Paradies sein, das vom Koran versprochen wird?

Luxenburg soll dem Artikel zufolge weiterhin die interessante These vertreten, dass der Koran ursprünglich ein „christlich-liturgisches Buch“ gewesen sei, das nicht den Anspruch gehabt habe, „die jüdische und die christliche Verkündigung zu ersetzen und zu überbieten, sondern sie den Arabern nahe zu bringen“.

Der Autor Lau sprach am Schluss seines Artikels die Hoffnung der theologischen Reformer an, „einen liberaleren Islam hervorzubringen, der besser mit der modernen Welt klarkommt.“ Eine Hoffnung, die angesichts der weltweiten Terrorwelle auch noch im Jahr 2016 nichts an Aktualität verloren hat.

 

„Noun ن“ – Christenverfolgung im Irak

Die Regisseurin Aida Schläpfer Al Hassani – selbst schiitische Muslima – berichtet in ihrem Kurzfilm „Noun“ über die Christenverfolgung durch den „IS“ im Irak.

Schläpfer lässt in ihrem Film Christen zu Wort kommen, die den islamistischen Terror überlebt haben, wie Yasi, deren Ehemann getötet wurde. Oder Pater Joseph, dessen Kollege geköpft wurde.

„Noun “ bzw. ن ist das arabische Wort für N (Nazarener = Christen). Die Terrormiliz „IS“ markiert mit diesem Buchstaben die Häuser von Christen und gibt sie so zur Plünderung frei, verbunden mit der Vertreibung oder gar Tötung deren Besitzer.