Was bedeutet Antisemitismus heute?

Hier ein aktueller Beitrag von 3sat zum Antisemitismus-Problem.

Und hier ein Interview mit Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der über den Antisemitismus in Deutschland reflektiert und hierbei u.a. folgende Fragen beantwortet:

Hat der Antisemitismus in Deutschland an Quantität und Qualität zugenommen? Wie sieht die Erinnerungskultur an den Holocaust ohne Zeitzeugen in Zukunft aus? Welche Rolle spielt Bildung bei der Auseinandersetzung mit der Schuldfrage?

Interessant ist auch die Frage, ob die israelische Politik als Projektionsfläche dient, um verborgenen Antisemitismus aufbrechen zu lassen (0:50). Herr Schuster bejaht diese Frage ohne Zögern. Er stellt diesbezüglich die Frage in den Raum, warum wegen anderen Dingen in der Welt, wie das Verhältnis zwischen China und Tibet, keine Demonstrationen auf deutschen Straßen erfolgen. Diese Frage stelle ich mich auch.

Im Ukraine-Konflikt haben bis jetzt mehr als 5.000 Menschen ihr Leben verloren. Das Sterben passiert nicht irgendwo, sondern direkt vor unserer Haustür. In der Stadt Mariupol starben 30 Zivilisten bei einem Raketenangriff. Wo bleibt hier das große Geschrei, das im Sommer 2014 auf deutschen Straßen zu hören war? Warum versammelt sich kein Bündnis, um gegen die Verletzung von Menschenrechten in der Ost-Ukraine zu demonstrieren, wie dies bei Israel immer der Fall war und vermutlich immer sein wird?

Diese Doppelmoral ist unerträglich.

Natürlich kann Leid nicht quantitativ und qualitativ abgestuft werden. Das Leid der Menschen im Gazastreifen zählt nicht weniger als das Leiden der Bevölkerung in der Ostukraine, aber auch nicht mehr. Wo sind jetzt all diese „Gutmenschen“, die letzten Sommer 2014 so eifrig dabei waren, Israel Völkermord, Kriegsverbrechen und noch mehr vorzuwerfen?

Liegt es an der Jahreszeit? Ist es draußen zu kalt, um zu demonstrieren? Muss immer noch das Weihnachtsessen verdaut werden? Lässt es sich gegen Israel bequemer demonstrieren? Oder liegt es einfach daran, dass Russen größtenteils keine Juden sind?

Nachtrag:

Da war ich aber sauer! 🙂

Muslimische Mahnwachen

Gestern haben in ganz Deutschland Muslime nach dem Freitagsgebet vor Medienhäusern Mahnwachen abgehalten, für demokratische Freiheiten und Werte. Sie folgten damit dem Aufruf der konservativen Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). 

Hier gib es die Rede von Herrn Prof. Dr. Nevzat Yaşar AŞIKOĞLU, Vorstandsvorsitzender im DITIB-Bundesverband, am 15.01.2015 anlässlich der Pressekonferenz zu den deutschlandweiten Mahnwachen.

Unterdessen wurde ein Redakteur der Frankfurter Neuen Presse attackiert, weil er die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) las, weil auf dem Titel der FAZ vom 15.01.2015 eine Französin mit der neuen „Charlie-Hebdo“-Ausgabe zu sehen war.