The hate that begins with Jews never ends with Jews

Mit diesem markanten Satz leitete Rabbi Lord Jonathan Sacks am 27.09.2016 seine Grundsatzrede vor dem Europäischen Parlament ein, anlässlich einer Konferenz über Antisemitismus und Perspektiven für die Zukunft der Juden in Europa.

Laut Antonio Tajani, dem frischgebackenen EU-Parlamentspräsident und Nachfolger von Martin Schulz, besteht Grund zur Besorgnis, da gemäß der Jewish Agency 2015 ungefähr 10.000 Juden nach Israel gezogen seien, 8.000 allein aus Frankreich. Die Zahlen hätten sich demzufolge im Vergleich zu 2014 verdoppelt. 2010 hätten 1,4 Millionen Juden in Europa gelebt, wohingegen im Jahr 1991 noch 2 Millionen Juden in Europa wären.

Rabbi Sacks Rede trägt den Titel „The Mutating Virus: Understanding Antisemitism“ und geht den Fragen nach, (1) was Antisemitismus ist, (2) warum er auftritt und (3) weshalb Antisemiten sich selbst nicht als antisemitisch ansähen.

Der moderne Antisemitismus trete nicht mehr als Hass gegen die Religion der Juden oder gegen deren Volkszugehörigkeit auf, sondern als Hass gegen den Staat Israel, als Antizionismus. Auch wenn die Erscheinungsformen des Antisemitismus sich änderten, gehe es immer noch um das Gleiche: nämlich um die Ansicht, dass Juden nicht das Recht hätten, als freie und gleichberechtigte Menschen zu existieren. Das Epizentrum des „neuen“ Antisemitismus sei nicht mehr Europa, sondern der Nahe Osten. Von hier aus verbreite er sich weltweit durch die Neuen Medien.

Rabbi Sacks appellierte an seine Zuhörer, Antisemitismus nicht nur als Bedrohung für Juden anzusehen, sondern als „Bedrohung für Europa und seine Freiheiten, die über die Jahrhunderte erzielt wurden.“ Ihm zufolge sei das Auftreten von Antisemitismus in einer Kultur das erste Anzeichen einer Krankheit, die frühe Warnung vor einem kollektiven Versagen. Denn der Hass, der mit den Juden beginne, ende niemals mit den Juden.

 

Der Wortlaut dieser beeindruckenden Rede kann hier nachgelesen werden (auf Englisch).