Ich habe Eduard Mörike bislang nur als beschaulichen schwäbischen „Heimatdichter“ wahrgenommen. Mein Bild von diesem dichtenden Pfarrer wurde völlig auf den Kopf gestellt, als ich das erste Mal den Peregrina-Zyklus las, an dem Mörike fast ein Jahrzehnt arbeitete.
Mörike verarbeitete in diesem Zyklus seine Liebe zur geheimnisvollen Maria Meyer, die vermutlich aus der Schweiz stammte.
Die obige Zeile stammt aus dem fünften Gedicht des Peregrina-Zyklus, das auf YouTube von „Poetenheld“ toll gerappt wird. 🙂
Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, zerrüttet, unbeschuht;
Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit Tränen netzet sie der Füße Wunden.Ach, Peregrinen hab ich so gefunden!
Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
Noch scherzend in der Frühlingsstürme Wut,
Und wilde Kränze in das Haar gewunden.War’s möglich, solche Schönheit zu verlassen?
– So kehrt nur reizender das alte Glück!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!Doch weh! o weh! was soll mir dieser Blick?
Sie küßt mich zwischen Lieben noch und Hassen,
Sie kehrt sich ab, und kehrt mir nie zurück.
Übrigens bedeutet „peregrina“ auf lateinisch „Fremde“ oder „Ausländerin“. Der Titel ist wahrscheinlich eine Andeutung auf das Geheimnisvolle, Fremdartige, das die Person Maria Meyer umgab, und das Mörike fesselte.
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