“Ich bin Fagin”

Eine Graphic Novel von Will Eisner über das (fiktive) Leben Moses Fagins, der als „Jude“ aus Oliver Twist in der Literaturgeschichte bekannt wurde. Dieser Moses Fagin wird im Gefängnis von Charles Dickens besucht. Zwischen beiden entbrannt eine Debatte über das Problem des Antisemitismus in der Literatur.

http://www.egmont-graphic-novel.de/graphic-novel/ich-bin-fagin/

Rezension von :
http://blogs.faz.net/comic/2015/10/19/variation-auf-oliver-twist-785/

Mysteriöser Tod eines Briten: Politsekte soll Studenten in den Tod gehetzt haben

Ein Student wird von einem Auto überrollt, die Fahnder legen sich schnell fest: Suizid. Doch Recherchen der Mutter führten zu einer rechten Politsekte. Nun, zwölf Jahre nach dem Tod, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Verdächtige.

Von

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/jeremiah-duggan-politsekte-soll-studenten-in-den-tod-gehetzt-haben-a-1040902.html

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es sich hierbei um den jüdisch-britischen Studenten Jeremiah Duggan handelt, der im März 2003 unter noch ungeklärten Umständen in Wiesbaden starb.

Die deutschen Ermittler gingen damals von einem Suizid Duggans aus, eine Obduktion der Leiche wurde nicht vorgenommen. Die Familie des Opfers sah dies jedoch anders. Sie beschuldigt bis heute die sog. LaRoche-Sekte, den Tod von Jeremiah Duggan verursacht zu haben.

Die internationale Politsekte um den Gründer Lyndon LaRouche ist laut Expertenangaben dem rechtsextremem Spektrum zuzuordnen. Sie bediene sich diffuser Weltverschwörungstheorien, insbesondere nach altbekannten antisemitischen Mustern. Die Sekte soll auch in Kontakt zu Schoa-Leugnern und Mitgliedern des rassistischen Geheimbunds KKK stehen. Der englische Rechtsextremismus-Experte Matthew Feldman ist der Ansicht, dass Lyndon LaRouche und seine Gefolgsleute eine „neofaschistische Bewegung“ ist, die jeden Gegner „als Verschwörer, Völkermörder und reine Verkörperung des Bösen“ verteufelt.

Die Familie von Duggan ist davon überzeugt, dass er allein deshalb sterben musste, weil er sich bei einer Konferenz des Schiller-Instituts, das der LaRoche-Bewegung angehören soll, als Juden „outete“. Duggan soll während eines Studienaufenthalts in Paris durch die Vermittlung eines Mitglieds der französischen Gruppe „Solidarität und Fortschritt“ in Kontakt mit dem Schiller-Institut gekommen sein. „Solidarität und Fortschritt“ soll ebenfalls der LaRoche-Bewegung angehören. In Deutschland fungiert die Organisation unter dem Namen „BüSo“, Bürgerrechtsbewegung Solidarität, angeführt von LaRouches Ehefrau Helga Zepp-LaRouche.

Die Eltern von Duggan führten private Ermittlungen durch und strengten in England (gerichtliche) Untersuchungen an, da sie von der „Selbstmord-Theorie“ der deutschen Polizei nicht überzeugt waren.

Nach der zweiten gerichtsmedizinischen Untersuchung in England kam der damit betraute englische Richter zum Ergebnis, dass der Tod von Duggan kein Selbstmord gewesen sei, sondern die Ursachen des Todes als ungeklärt zu verstehen seien. Anhand der Verletzungen sei dem Richter zufolge vielmehr anzunehmen, dass Duggan vor seinem Tod in eine Art Gefecht verwickelt gewesen sei.

Dieses Ergebnis deckt sich mit der Aussage einer Mutter, deren Sohn auch in die Fänge dieser Sekte geraten war. Sie erstattete 2009 gegen einen M., Bodyguard des Sektengründers, Strafanzeige. Sie sagte aus, dass Duggan die Nacht vor seinem Tod nicht wie angegeben in einer Wiesbadener Wohnung verbracht hätte, sondern in den Büroräumen der LaRouche-Organisation, unweit des späteren Leichenfundorts. Man hätte Duggan vor seinem Tod beschimpft und drangsaliert.

Im Oktober 2009 nahm die deutsche Behörde das Ermittlungsverfahren wieder auf. Es soll nachfolgend nur zwei Zeugen vernommen worden sein. Die Akte wurde bald wieder geschlossen. Die Eltern von Duggan zogen deshalb vor Gericht. Das OLG Frankfurt ordnete dann Ende 2012 die Wiederaufnahme der Ermittlungen an. Es läge dem Gericht zufolge der Anfangsverdacht der Körperverletzung mit Todesfolge vor. In Wiesbaden wird nun gegen den Bodyguard M. und gegen einen D. ermittelt. Genau der D., auf dessen Angaben die Polizei ihrerseits die Suizid-Theorie stützte. Beide Beschuldigten sollen Anhänger von LaRoche sein.

Die LaRouche-Bewegung will mit dem Tod des jüdischen Engländers nichts zu tun gehabt haben. Sie sehe sich als Opfer einer „eindeutig politisch motivierten, ausländisch gesteuerten Verleumdungskampagne“, ihrer verrückten „Logik“ und „Lehre“ konsequent folgend.

Es ist interessant, dass der Rechtsextremismusexperte Matthew Feldman sich die „Untätigkeit“ der deutsche Behörden damit erklärt, dass Jeremiah Duggan in genau jener Zeit ums Leben gekommen wäre, als auch die NSU-Morde geschahen.

Im Übrigen gibt es auf Blendle einen sehr guten ZEIT-Artikel über diesen unglaublichen Fall (kostenpflichtig):
https://blendle.com/i/die-zeit/warum-starb-jeremiah/bnl-zeit-20151105-96334_warum_starb_jeremiah

Webseite „Justice for Jeremiah

Epilog: Der Mufti und die Deutschen

Meine Blickweise auf den Palästina-Konflikts zwischen 1920 und 1948 unterscheidet sich von anderen Darstellungen signifikant. Dies gilt besonders für Texte, die wie Walter Hollsteins Kein Frieden um Israel oder Helga Baumgartens Palästina: Befreiung in den Staat vorzugsweise in der Linken rezipiert worden sind. Warum wird darin so selten die Stärke der palästinensischen Fraktionen erwähnt, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten? [Weiterlesen]

von Matthias Küntzel

Wer noch nicht genug von Muftis und Nazis hat, findet hier einen weiteren interessanten Beitrag von Matthias Küntzel, der Politikwissenschaftler und Historiker ist und insbesondere zum Thema Antisemitismus forscht.

In seinem Artikel geht der Autor vor allem der Einflußnahme der Nazis auf die Frühgeschichte des Nahostkonflikts nach, die „ebenso bedeutsam wie folgenreich“ gewesen sei. Die NSDAP habe bei der Formulierung des antisemitischen Antizionismus eine Vorreiterrolle gespielt. Auch hätten erst die Waffenlieferungen und Finanzhilfen aus Nazi-Deutschland den vom Mufti geleiteten „Aufstand“ in Palästina ermöglicht.

Küntzel macht in seinem Beitrag darauf aumerksam, dass es durchaus palästinensische Kräfte gegeben hätten, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten. Diese Politiker seien vom Mufti jedoch aus dem Weg geräumt worden.

Weiterhin ist es interessant, dass Küntzel zufolge „alle wichtigen Weichenstellungen zur Torpedierung einer arabisch-jüdischen Verhandlungslösung schon in der Phase der Nazi-Mufti-Kooperation“ stattgefunden hätten, wie die „Ausschaltung der palästinenischen Politiker, die eine Zwei-Staaten-Lösung befürworteten, Einschwörung der arabischen Welt auf den eliminatorischen Antizionismus“ oder die „Islamisierung des Palästina-Konflikts“.

Aspekte, die meines Erachtens immer noch hochaktuell sind. Sind es gerade diese Punkte, die einer dauerhaften Lösung des Nahostkonflikts im Weg stehen? Ich habe die Vermutung, dass es nicht primär der Siedlungsbau oder die unstreitig schlechten Lebensbedingungen im Gazastreifen sind, die immer wieder für Ausschreitungen seitens der Palästinenser sorgen, sondern gerade Elemente dieses „eliminatorischen Antizionismus“.

„Soll ich den Mund halten?“

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter wurde bekannt als Neonazi-Gegner. Ausgerechnet ihm wird nun Antisemitismus vorgeworfen.

Von

http://www.zeit.de/2015/44/antisemitismus-albrecht-schoeter-thueringen-vorwurf

Albrecht Schröter soll die Außenpolitik der USA und Deutschlands für die aktuelle Flüchtlingskrise mitverantwortlich gemacht haben. Die islamfeindliche US-Politik der vergangenen Jahrzehnte trage ihre Früchte. Schröter wurde darüber hinaus mit der Aussage zitiert, dass „Deutschland seine Rolle im Nahostkonflikt ändern müsse, es aus seiner vornehmen Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstaat heraustreten müsse“. Dieser Aussage kann man meines Erachtens eindeutig entnehmen, dass Schröter unmittelbar Israel (wem auch sonst!) die Schuld an der Flüchtlingskrise gibt, ohne zu bedenken, dass die eigentlichen Fluchtursachen doch in der muslimischen Welt selbst liegen könnten. In manchen Kreisen sind die Juden immer noch an allem schuld.

Vor vier Jahren bekam Schröter noch für sein jahrelanges Engagement gegen Rechtsextremismus den „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus„, der jährlich von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und dem Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ verliehen wird. Nun wird ihm Begünstigung von Antisemitismus vorgeworfen. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht der Volksverhetzung wurde kürzlich gegen Schröter eingeleitet.

Schröter macht sich dafür stark, dass „jede deutsche Kommune, die eine israelische Partnerstadt hat, sich auch eine palästinensische suchen soll“. Soll diese Aussage aber nicht auch für den gegenteiligen Fall gelten? Sollte nicht jede deutsche Kommune, die eine palästinensiche Partnerstadt hat, sich auch eine israelische suchen? Zwischen Jena und Ramallah besteht bereits eine Städtepartnerschaft. Wo ist aber die israelische Städtepartnerschaft Jenas?

Im Übrigen ist der diesbezügliche Kommentarbereich wieder hochinteressant. Eine Menge Emotionen, von einer sachlichen Auseinandersetzung mit der konkreten Aussage Schröters fehlt aber jede Spur.

Das ohrenbetäubende Schweigen der «Palästina-Solidarität»

Die jüngsten mörderischen Angriffe palästinensischer Terroristen auf israelische Juden scheinen «propalästinensische» Aktivisten keineswegs um den Schlaf zu bringen. Teilweise werden die Taten von ihnen sogar gerechtfertigt. Verwunderlich ist das gleichwohl nicht, wenn man weiss, was sie antreibt.

Von Alex Feuerherdt

Das ohrenbetäubende Schweigen der «Palästina-Solidarität»

Ich habe mich schon immer gefragt, warum hier im Westen kein Hahn danach kräht, wenn Christen im arabischen Raum die Kehlen durchgeschnitten und Jesiden ermordert werden. Wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Oder wenn wie jüngst in Israel wahllos Jagd auf Juden gemacht wird.

Aber wenn es sich um Kritik an Israel handelt, scheinen die Demonstranten und Moralisten, die vermeintlichen Verfechter der Menschenrechte und des Friedens wie aus dem Nichts aufzutauchen. Dann wird demonstriert, berichtet und nach Boykott geschrien.

Beruht diese Doppelmoral tatsächlich auf den Aspekt, den der Autor im obigen Artikel aufgeworfen hat?

Dass die Motivation der „propalästinensischen“ Aktivisten einfach eine antiisraelische ist?

„Nach § 2 war ihre Rasse die jüdische Religion“

Am 15. September 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze“ verabschiedet – „zum Schutze des deutschen Blutes“, wie es auf Nazi-Deutsch hieß. Den Kommentar verfasste ein späterer Kanzleramtsminister.

Von L. Joseph Heid

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article146408849/Nach-2-war-ihre-Rasse-die-juedische-Religion.html

Der betreffende Kanzleramtsminister war Hans Maria Globke, der zusammen mit Wilhelm Stuckart, einem weiteren Rechtsverdreher, die Nürnberger Gesetze kommentierte.

Globke wurde zumindest 1963 vom Obersten Gericht der DDR in Abwesenheit zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Stuckart wurde 1947 im sog. Wilhelmstraßen-Prozess angeklagt. Er wurde zu fast 4 Jahren Haft verurteilt.

Der obige Artikel von Heid gibt einen guten Überblick über das politische Klima, das den Nürnberger Gesetzen vorausging und ihnen den Nährboden bereitete. Es war neu für mich, dass der ultrareligiöse Teil der jüdischen Gemeinschaft diese neue Gesetzgebung begrüßt haben soll, da hierdurch nunmehr eine getrennte Erziehung möglich und ausdrücklich das Verbot von „Mischehen“ gesetzlich festgeschrieben wäre.

Die Nürnberger Gesetze umfassten streng genommen nur zwei Gesetze, nämlich das sogenannte Blutschutzgesetz und das Reichsbürgergesetz. Heute wird das Reichsflaggengesetz aber ebenfalls den Nürnberger Gesetzen zugeordnet.

Wer sich diesen juristischen Wahnsinn ansehen will, wird hier fündig:

Klicke, um auf 13_Nuernberger_Gesetze.pdf zuzugreifen

Im Artikel wurde ich auf den Begriff Erlösungsantisemitismus gestoßen, den ich bislang nicht kannte. Er prägte nicht nur die nationalsozialistische Weltanschauung, sondern soll im Dritten Reich sogar ein Glaubensbekenntnis, eine Art Ersatzreligion für Millionen von Deutschen gewesen sein. Der Begriff „Erlösungsantisemitismus“ wurde vom Historiker Saul Friedländer hervorgebracht, der damit den Glauben der Nazis beschrieb, dass „die deutsche Volksgemeinschaft erst nach der «Entfernung» der Juden erblühen könne“.

Europas judenfreie Zonen

Jüdisches Leben zieht sich angesichts des unerbittlich anti-israelischen und anti-jüdischen Hasses aus vielen Teilen des Kontinents zurück.

von Yvette Alt Miller

Originalartikel: Europe’s Jew-Free Zones

https://faehrtensuche.wordpress.com/2015/09/10/europas-judenfreie-zonen/

Ich möchte euch gerne auf einen Artikel von Yvette Alt Miller aufmerksam machen, der von „faehrtensuche“ auf Deutsch übersetzt wurde. Der Artikel zeigt in erschreckender Weise, wie sich jüdisches Leben wieder aus Europa zurückzieht, nur 70 Jahre nach Ende des Holocausts.

Meldung von antisemitischen Vorfällen

https://report-antisemitism.de/#/home

Selbstdarstellung der Seite:

Seit Januar 2015 existiert beim Verein für Demokratische Kultur in Berlin […] e.V. die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). Zusammen mit jüdischen Organisationen und den Berliner Registerstellen baut RIAS ein berlinweites Melde-Netzwerk für antisemitische Vorfälle auf. […]

Es können aber bundesweit antisemitische Vorfälle gemeldet werden, nicht nur die in Berlin.

Germany meets Israel

Was wissen wir eigentlich über das weit entferne Israel? Und was wissen die Israelis über? Unsere Reporter Karlotta und Johannes finden es heraus!

http://www.galileo.tv/videos/germany-meets-israel/

Ein völlig harmloser Beitrag von Galileo über die Achse Israel-Deutschland vom 16.07.2015.  Er wurde dennoch von PRO 7 entfernt, weil sich viele wohl daran störten, dass überhaupt etwas (Positives) über Israel ausgestrahlt wurde.

Jetzt ist dieser Beitrag wieder online.

„In Europa sehe ich, wie viel schlimmer es sein kann“

Abe Foxman ist das Gesicht der amerikanischen Anti-Defamation League, die gegen Antisemitismus und Rassismus kämpft. Nach 28 Jahren hört er auf.

Ein Gespräch zum Abschied von Tuvia Tenenbom, New York

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-07/abe-foxman-antisemitismus-juden

Abe Foxman hat eine wirklich sehr interessante Lebensgeschichte, im obigen Artikel nachzulesen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Foxman