„Selbstkontrolle kann man lernen“

Wie weit wir es im Leben bringen, hängt unter anderem davon ab, wie gut wir auf Belohnungen warten können. Das entdeckte der Psychologe Walter Mischel. Der Pionier der Willenskraftforschung erklärt im Interview, was wir uns von Kindern abgucken können.

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Der von Mischel entwickelte Marshmallow-Test soll die Selbstkontrolle von Vorschulkindern beurteilen. Dem Kind wird hierbei ein Marshmallow oder eine andere Süßigkeit gegeben. Wenn das Kind mit dem Essen warten kann, bis die erwachsene Person zurück in den Raum kommt, bekommt es als Belohnung ein zweites Marshmallow. Wenn nicht, bleibt es bei einer Süßigkeit.

Bei einem Experiment auf Trinidad kam Mischel zu interessanten Ergebnissen. Die Kinder, die sofort belohnt werden wollten, demnach nicht warten konnten,

  • hatten schon viel öfter in Schwierigkeiten gesteckt – sie waren zum Beispiel häufig mit der Polizei oder mit den Behörden in Konflikt geraten und
  • wuchsen meist ohne Vater auf, sodass sie dem männlichen Versuchsleiter nicht trauen konnten.

Mischel zieht daraus die allgemeine Schlussfolgerung, dass es keinen Grund gibt, auf das Jetzt zu verzichten, wenn man nicht auf das Später vertraut.

Kinder, die sich selbst gut kontrollieren können, seien meist auch aufmerksamer, wenn im Kindergarten oder in der Schule etwas erklärt wird. Sie könnten sich besser konzentrieren, besser lernen. Und der Erfolg, den diese Kinder schon früh haben, würden sie selbstbewusster machen. Mischel führte eine Langzeitstudie durch, die zeigte: Kinder, die auf die Belohnung warten und Selbstbeherrschung ausüben konnten, erreichten im Schnitt ein höheres Bildungsniveau, mieden Drogen und hatten auch einen niedrigeren Body-Mass-Index.

Mischel betont aber, dass diese Werte nur Durchschnittswerte darstellten. Es sei unmöglich, für einen Einzelnen auf Grund seines Abschneidens im Marshmallow-Test eine konkrete Vorhersage zu treffen.

Er zeigt im Interview verschiedene Möglichkeiten auf, wie Eltern ihren Kindern Selbstbeherrschung beibringen könnten, u.a.

  • einen Raum der Verlässlichkeit schaffen, in dem Versprechen gehalten werden, und
  • in den ersten beiden Lebensjahren das Stressniveau zu Hause niedrig halten, ohne die Kinder zu überhüten.

Mischel ist der Ansicht, dass das Potenzial, sich zu verändern, in jedem von uns angelegt sei. Das sei auch eine Botschaft an die Politik. Selbst Menschen, die sich erblich bedingt eher schlecht beherrschen können, gelängen es durch einfache Übungen oft, sich besser in den Griff zu bekommen. Für jeden könne etwas getan werden.

Und hier der Test in der Praxis:

Süß, welche Ablenkungsstrategien die Kinder entwickelt haben. 🙂

Walter Mischel in „Sternstunde Philosophie“

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