Lễ rước dâu – Eine Hochzeit der anderen Art

Aus gegebenem Anlass bin ich der Frage nachgegangen, wie die Vietnamesen eigentlich traditionell heiraten. Als „Neigeschmeckte“ sind mir viele vietnamesichen Tradtionen leider nicht sehr vertraut.

Das „lễ rước dâu“ genannte Fest heißt übersetzt etwa „Fest der Brautabholung“ und wird entweder vor der eigentlichen Hochzeits- oder Verlobungsfeier zelebriert. Die Familie des Bräutigams kommt mit vielen Geschenken zum Haus der Braut, um diese offiziell „abzuholen“.

Die Geschenke sind traditionell festgelegt und beinhalten u.a. Obst, Alkohol, manchmal ein ganzes gegrilltes Spanferkel, und vor allem sehr viel Goldschmuck. Meistens bekommt die Braut ein ganzes Schmuckset (1:56), bestehend aus einer Kette, Ohrringe und einen Ring, in aller Regel mit Diamenten verziert (!). 🙂

Die Geschenke befinden sich auf rote Platten (0:43), die von unverheirateten Mädchen aus der Familie der Braut entgegengenommen werden. Übergeben werden sie von Männern aus der Familie des Bräutigams (1:29). Ob diese unverheiratet sein müssen, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest wäre das denkbar. Die Vietnamesen sind sehr praktisch veranlagt. Hier könnte doch bereits die Saat für eine neue Hochzeit gelegt werden! Oft werden auch unverheiratete Freunde des Brautpaars als „Gaben“-Träger engagiert.

Fast alle haben das „áo dài“ genannte traditionelle Kleidungsstück an, in der Regel auch die Männer (ab 0:39). Im Haus der Braut gibt es dann eine Feier, deren Reihenfolge festgelegt ist. Es wird Reden gehalten, angestoßen, traditionell Räucherstäbchen angezündet und offiziell die Verbindung beider Familien gefeiert (1:35). Die Mutter des Bräutigams steckt der Braut im Rahmen der Feier oft den geschenkten Schmuck an (1:56). Dann gehört die Braut offiziell zur Familie des Bräutigams und darf in sein Haus ziehen (früher lebte das Brautpaar meistens eine Weile bei den Eltern des Bräutigams).

Letztendlich finde ich dieses Fest sehr nett, da es eine gewisse Wertschätzung für die Braut und deren Familie ausdrückt. Der Bräutigam und seine Familie versprechen, gut für die Braut zu sorgen. Die Geschenke sind wohl als „Anzahlung“ für dieses Versprechen gedacht.

Hier ein süßes Video dazu:

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De Maizière ist nüchtern besser

Die Flüchtlinge in Deutschland seien oft undankbar, mäkelig beim Essen und gewaltbereit. Das zumindest behauptete der Innenminister. Er sollte es besser wissen.

Von

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-10/de-maiziere-fluechtlinge-zdf

Meiner Ansicht nach greift die obige Replik von Musharbash nicht (vollständig). De Maizière hat gerade nicht behauptet, dass alle Flüchtlinge sich schlecht benähmen, sondern seine Kritik ausdrücklich auf „einige“ beschränkt.

Desweiteren sehe ich eine Tendenz des Autors, die Probleme zu verharmlosen, auch bzgl. der den Flüchtlingen zugewiesenen Unterkunft. Natürlich kann auch ich verstehen, dass manche Flüchtlinge gerne woanders untergebracht werden wollen, zum Beispiel in der Nähe von Verwandten. Aber das ermächtigt sie nicht dazu, eigenmächtige Entscheidungen zu treffen.

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„The Look of Silence“

Der Filmemacher Joshua Oppenheimer lässt in seinem Dokumentarfilm „The Look of Silence“ die Angehörigen der Menschen sprechen, die 1965/1966 in Indonesien als angebliche Kommunisten systematisch ermordet wurden. Der Film läuft jetzt in den deutschen Kinos.

Oppenheimer soll mit „The Look of Silence“ auf Kritik am Vorgängerfilm „The Act of Killing“ reagiert haben, der 2012 erschien. Ihm wurde damals vorgeworfen, dass er den Tätern der Massaker zu viel und den Opfern bzw. den Hinterbliebenen zu wenig Raum gegeben habe.

„The Look of Silence“ (2015)

„The Act of Killing“ (2012)

Filmrezensionen zu „The Look of Silence“:

http://www.zeit.de/kultur/film/2015-09/joshua-oppenheimer-film-the-look-of-silence
http://www.spiegel.de/kultur/kino/the-look-of-silence-von-joshua-oppenheimer-das-schweigen-der-opfer-a-1055300.html

De Maizière beklagt schlechtes Benehmen von Flüchtlingen

Innenminister de Maizière kritisiert, dass Flüchtlinge sich über das Essen oder ihre Unterkünfte beschwerten. Er erwarte mehr Kooperationsbereitschaft von den Menschen.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-10/fluechtlinge-de-maiziere-schlechtes-benehmen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat das Verhalten einiger Flüchtlinge im ZDF-heute-journal kritisiert. Er sagte, bis zum Sommer seien die Flüchtlinge dankbar gewesen, „bei uns zu sein“. Sie hätten gefragt, „wo ist die Polizei, wo ist das Bundesamt. Wo verteilt Ihr uns hin.“ Das habe sich seither aber geändert. (…)

Deutschland, k(ein) Flüchtlingsmärchen?

Bamf vermutet 290.000 unregistrierte Flüchtlinge in Deutschland

Der neue Behördenchef Weise kritisiert die unübersichtliche Situation. Zur schnelleren Registrierung und Antragsbearbeitung will er Personal der Arbeitsagentur einsetzen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-09/fluechtlinge-bamf-zahlen-nicht-registrierte-fluechtlinge

Laut Arbeits- und Sozialministerin Nahles soll der Mindestlohn von derzeit 8,50 EUR aber auch für Flüchtlinge gelten.

Eine gute Entscheidung. Der „Sozialneid“ sollte nicht unterschätzt werden. Es wäre fatal, wenn die Neuankommenden mit den bereits in Deutschland ansässigen „Geringverdienern“ übermäßig konkurrieren müssten. Schließlich haben vor allem die Menschen etwas zu verlieren, die sich bereits an der unteren Schwelle der Gesellschaft befinden.

Die Anzahl von vermutlich noch 290.000 unregistrierten Flüchtlinge ist erschreckend hoch. Wer weiß, wen wir uns alle ins Haus geholt haben. Die Terrorgefahr dürfte dadurch nicht kleiner geworden sein.

In diesem Zusammenhang gibt es ein kluges Zitat vom deutschen Schriftsteller

Johann Gottfried Seume

Zitat von Johann Gottfried Seume
Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren.
In diesem Sinne: Gute Nacht.

Abbas‘ Drohung könnte sein Volk in den Abgrund stoßen

Der palästinensische Präsident kündigt den Friedensprozess mit Israel auf. Die UN-Rede von Mahmud Abbas gewährt wichtige Einblicke in seine Strategie – die brandgefährlich ist.

Von Gil Yaron, Tel Aviv

http://www.welt.de/politik/ausland/article147075624/Abbas-Drohung-koennte-sein-Volk-in-den-Abgrund-stossen.html

Laut Yaron soll die gestrige Rede von Abbas praktisch jedoch keine Konsequenzen nach sich ziehen. Er macht (auch) Abbas für die Spannungen und Krawallen rund um den Tempelberg verantwortlich. Abbas habe in seinen öffentlichen Reden die Wut und Angst im (palästinensischen) Volk geschürt und damit die eskalierende Gewalt weiter angestachelt.

Abbas Strategie sei für Yaron klar:

Abbas wolle die Lösung, ohne darüber verhandeln zu müssen, wolle israelische Zugeständnisse, ohne eigene Kompromisse anzubieten. Hierfür sei es erforderlich, dass Abbas Verhandlungen weiter fernbleibt, ohne für ihr Scheitern verantwortlich gemacht zu werden. Israel solle als der einzig Schuldige gelten, und als Verantwortlicher für jede Eskalation. Gleichzeitig müssten die Krawallen in den umstrittenen Gebieten aber kontrollierbar bleiben, um den Machterhalt Abbas nicht zu gefährden.

Letztendlich habe die Rede von Abbas nur ein Ziel:
nämlich das verlorene Vertrauen seiner eigenen Bevölkerung zurückzugewinnen.

Abbas Rede sei grotesk, da er sich auf die PA beruft habe, um sich zu legitimieren. Die PA sei aber die direkte Folge der Osloer Friedensverträge, demnach die Verträge, die Abbas aufzukündigen drohte.

Abbas machte in seiner Rede allein Israel für das Scheitern der Osloer Verträge verantwortlich. Solange Israel nicht die mit den Palästinensern getroffenen Vereinbarungen umsetze und sich weigere, die Besiedlung der besetzten Gebiete zu stoppen und palästinensische Gefangene freizulassen, hätten die Palästinenser keine Wahl, als darauf zu bestehen, dass sie nicht die Einzigen seien, die sich an das Abkommen halten, welches Israel ständig verletze.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kritisierte die Rede Abbas scharf. Sie sei „trügerisch“ und fördere „Hetze und Gesetzlosigkeit im Nahen Osten“. Im Gegensatz zu den Palästinensern halte Israel strikt den Status quo auf dem Tempelberg aufrecht und sei dem auch weiterhin verpflichtet, in Übereinstimmung mit den Abkommen zwischen Israel und den Jordaniern und dem Waqf.

Hier die Rede von Abbas vor den UN:

http://bcove.me/ysxvxr3d (verkürzt)
http://webtv.un.org/search/palestine-general-debate-70th-session/4521123497001?term=abbas (vollständig)

Und hier die von Netanyahu:

http://webtv.un.org/watch/israel-general-debate-70th-session/4524065777001

Die muslimische Welt könne nur geheilt werden, wenn Muslime sich von den multiplen Krankheiten des Propheten lösten: “Selbstüberschätzung, Paranoia, Kritikunfähigkeit sowie die Neigung zum Beleidigtsein”.

An diese Aussage von Abdel-Samad musste ich denken, als ich diesen Artikel schrieb.

„Rache war nicht sein Antrieb“

Burghart Klaußner spielt in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ die Rolle des bekannten Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der an der Wiederaufnahme des Falles Adolf Eichmann maßgeblich beteiligt war. Im Interview erzählt der Schauspieler von den Stärken und Schwächen eines deutschen Helden

Von Alexander Kissler

http://www.cicero.de/salon/burghart-klaussner-spielt-fritz-bauer-rache-war-nicht-sein-antrieb-rache-ist-nur-ein-affekt

Ein interessantes Interview mit Burghart Klaußner, der im Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ den berühmten Staatsanwalt verkörpert. Der Film läuft ab heute in den deutschen Kinos.

Hätte ich einen Juristen als Vorbild, dann wäre es wohl Fritz Bauer.

Der gefährliche Prophet

Mohamed ist ein Vorbild für Millionen Muslime – und auch für Terroristen. Der Islamexperte Hamed Abdel-Samad kritisiert ihn als Paranoiker und Tyrannen. Ein Vorabdruck

Von

http://www.zeit.de/2015/38/Mohammed

Ein sehr interessanter Artikel von Hamed Abdel-Samad, der jedem zu raten ist, der sich ernsthaft mit dem Islam beschäftigt und beschäftigen möchte.

Abdel-Samad stellt in diesem Vorabdruck zu seinem neuen Buch „Mohamed. Eine Abrechnung“ die Person des Propheten Mohammed sehr kritisch dar. Er sieht Mohammed einerseits als einen Menschen, der „für Mitgefühl und Vergebung plädiert“, andererseits als einen „Massenmörder und psychisch kranken Tyrann“.

Die Auswanderung von Mekka nach Medina hätte einen wichtigen Wendepunkt im Leben des Propheten markiert. In Medina wäre „der gewalttätige Prophet“ zum Vorschein gekommen, „der für seine Ziele über Leichen ging“. Nach der Gründung des ersten muslimischen Staates wären „vormals hochgehaltene Prinzipien immer mehr in den Hintergrund“ geraten, „die Logik der Macht und die Angst vor dem Verrat“ hätten fast alles bestimmt.

Abdel-Samad macht die ambivalente Persönlichkeit Mohammeds auch an seine Beziehung zu Frauen fest, insbesondere anhand seiner Beziehung mit Aischa, die erst sechs Jahre alt gewesen sein soll, als er sie ehelichte. Das Thema Geschlechtsverkehr soll nach Abdel-Samad im Islam eine wichtige Rolle spielen. Seinen Angaben zufolge soll das Paradies nach islamischem Verständnis aus „einem himmlischen Bordell“ bestehen,

„wo jedem Märtyrer 72 Jungfrauen zustehen, dazu noch deren je 70 Dienerinnen“.

Mohamed selbst soll für die damalige Zeit nicht unbedingt frauenfeindlich gewesen sein. Er hätte sich mehrfach positiv über Frauen geäußert und seine Gefährten grundsätzlich dazu ermahnt, ihre Frauen liebevoll zu behandeln. Vom Propheten soll aber auch das im Koran statuierte Recht der Männer bestehen, die „Frau zu schlagen, wenn diese widerspenstig sei“.

Abdel-Samad sieht den Fundamentalismus letzendlich nicht als eine „Folge der Fehlinterpretation des Islams“, sondern als „eine Folge seiner Überhöhung“. Die muslimische Welt könne nur geheilt werden, wenn Muslime sich von den multiplen Krankheiten des Propheten lösten: „Selbstüberschätzung, Paranoia, Kritikunfähigkeit sowie die Neigung zum Beleidigtsein“.

Das Buch wird am 01.10.2015 erscheinen.