Mysteriöser Tod eines Briten: Politsekte soll Studenten in den Tod gehetzt haben

Ein Student wird von einem Auto überrollt, die Fahnder legen sich schnell fest: Suizid. Doch Recherchen der Mutter führten zu einer rechten Politsekte. Nun, zwölf Jahre nach dem Tod, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Verdächtige.

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http://www.spiegel.de/panorama/justiz/jeremiah-duggan-politsekte-soll-studenten-in-den-tod-gehetzt-haben-a-1040902.html

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es sich hierbei um den jüdisch-britischen Studenten Jeremiah Duggan handelt, der im März 2003 unter noch ungeklärten Umständen in Wiesbaden starb.

Die deutschen Ermittler gingen damals von einem Suizid Duggans aus, eine Obduktion der Leiche wurde nicht vorgenommen. Die Familie des Opfers sah dies jedoch anders. Sie beschuldigt bis heute die sog. LaRoche-Sekte, den Tod von Jeremiah Duggan verursacht zu haben.

Die internationale Politsekte um den Gründer Lyndon LaRouche ist laut Expertenangaben dem rechtsextremem Spektrum zuzuordnen. Sie bediene sich diffuser Weltverschwörungstheorien, insbesondere nach altbekannten antisemitischen Mustern. Die Sekte soll auch in Kontakt zu Schoa-Leugnern und Mitgliedern des rassistischen Geheimbunds KKK stehen. Der englische Rechtsextremismus-Experte Matthew Feldman ist der Ansicht, dass Lyndon LaRouche und seine Gefolgsleute eine „neofaschistische Bewegung“ ist, die jeden Gegner „als Verschwörer, Völkermörder und reine Verkörperung des Bösen“ verteufelt.

Die Familie von Duggan ist davon überzeugt, dass er allein deshalb sterben musste, weil er sich bei einer Konferenz des Schiller-Instituts, das der LaRoche-Bewegung angehören soll, als Juden „outete“. Duggan soll während eines Studienaufenthalts in Paris durch die Vermittlung eines Mitglieds der französischen Gruppe „Solidarität und Fortschritt“ in Kontakt mit dem Schiller-Institut gekommen sein. „Solidarität und Fortschritt“ soll ebenfalls der LaRoche-Bewegung angehören. In Deutschland fungiert die Organisation unter dem Namen „BüSo“, Bürgerrechtsbewegung Solidarität, angeführt von LaRouches Ehefrau Helga Zepp-LaRouche.

Die Eltern von Duggan führten private Ermittlungen durch und strengten in England (gerichtliche) Untersuchungen an, da sie von der „Selbstmord-Theorie“ der deutschen Polizei nicht überzeugt waren.

Nach der zweiten gerichtsmedizinischen Untersuchung in England kam der damit betraute englische Richter zum Ergebnis, dass der Tod von Duggan kein Selbstmord gewesen sei, sondern die Ursachen des Todes als ungeklärt zu verstehen seien. Anhand der Verletzungen sei dem Richter zufolge vielmehr anzunehmen, dass Duggan vor seinem Tod in eine Art Gefecht verwickelt gewesen sei.

Dieses Ergebnis deckt sich mit der Aussage einer Mutter, deren Sohn auch in die Fänge dieser Sekte geraten war. Sie erstattete 2009 gegen einen M., Bodyguard des Sektengründers, Strafanzeige. Sie sagte aus, dass Duggan die Nacht vor seinem Tod nicht wie angegeben in einer Wiesbadener Wohnung verbracht hätte, sondern in den Büroräumen der LaRouche-Organisation, unweit des späteren Leichenfundorts. Man hätte Duggan vor seinem Tod beschimpft und drangsaliert.

Im Oktober 2009 nahm die deutsche Behörde das Ermittlungsverfahren wieder auf. Es soll nachfolgend nur zwei Zeugen vernommen worden sein. Die Akte wurde bald wieder geschlossen. Die Eltern von Duggan zogen deshalb vor Gericht. Das OLG Frankfurt ordnete dann Ende 2012 die Wiederaufnahme der Ermittlungen an. Es läge dem Gericht zufolge der Anfangsverdacht der Körperverletzung mit Todesfolge vor. In Wiesbaden wird nun gegen den Bodyguard M. und gegen einen D. ermittelt. Genau der D., auf dessen Angaben die Polizei ihrerseits die Suizid-Theorie stützte. Beide Beschuldigten sollen Anhänger von LaRoche sein.

Die LaRouche-Bewegung will mit dem Tod des jüdischen Engländers nichts zu tun gehabt haben. Sie sehe sich als Opfer einer „eindeutig politisch motivierten, ausländisch gesteuerten Verleumdungskampagne“, ihrer verrückten „Logik“ und „Lehre“ konsequent folgend.

Es ist interessant, dass der Rechtsextremismusexperte Matthew Feldman sich die „Untätigkeit“ der deutsche Behörden damit erklärt, dass Jeremiah Duggan in genau jener Zeit ums Leben gekommen wäre, als auch die NSU-Morde geschahen.

Im Übrigen gibt es auf Blendle einen sehr guten ZEIT-Artikel über diesen unglaublichen Fall (kostenpflichtig):
https://blendle.com/i/die-zeit/warum-starb-jeremiah/bnl-zeit-20151105-96334_warum_starb_jeremiah

Webseite „Justice for Jeremiah

Der Arzt, mein Freund und Sterbehelfer?

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll es auch in Zukunft keinen „Tod auf Rezept“ geben. Diese Entscheidung passt zum hippokratischen Eid, der u.a. statuiert:

Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten;

Die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung wird zukünftig ausdrücklich verboten. Es bleibt abzuwarten, ob der Verein Sterbehilfe Deutschland jetzt tatsächlich vor das Bundesverfassungsgericht ziehen will, wie bereits angekündigt.

Demnach hat sich der Gesetzesentwurf der Gruppe um die Abgeordneten Michael Brand (CDU), Michael Frieser (CSU), Kerstin Griese (SPD), Harald Terpe (Grüne) und Kathrin Vogler (Linke) durchgesetzt.

Bundestag verbietet Sterbehilfe-Organisationen | DW Nachrichten

Neue Anschläge, alte Probleme

Mordanschläge auf Juden, vor allem in Jerusalem, schaffen zusätzliche Probleme, die sich erschwerend auswirken für die Verhandlungen im In- und Ausland, nicht zuletzt auch dort, wo es um die Frage der Siedlungspolitik geht.

http://www.erf.de/radio/erf-plus/mediathek/brennpunkt-nahost/neue-formen-der-gewalt/8302-47?

Ein interessantes Telefon-Interview mit Johannes Gerloff, der Journalist und Theologe ist. Er lebt mit seiner Familie seit 1994 in Jerusalem.

Der ERF ist ein christlicher Sender. Das Interview ist daher etwas christlich „angehaucht“. Es wirft in sachlicher Weise Licht auf interessante Aspekte der aktuellen politischen Situation in Israel, auch im Hinblick auf die Siedlungspolitik.

Für mich sind folgende Aussagen im Interview besonders interessant:

  • Seit Jahresbeginn habe es in Israel 1.400 (palästinensische) Terroraktionen gegeben. Dabei seien 284 Israelis verletzt und 9 getötet worden.
  • Es habe auch 18 Angriffe seitens Israelis gegeben. 13 Palästinenser seien dabei verletzt und 3 getötet worden (palästinensische Attentäter, die im Verlauf von Angriffen getötet wurden, seien nicht mitgezäht).
  • Neu an der Gewaltwelle in Israel sei einerseits, dass nun (arabische) Einzeltäter aktiv werden, die mitten in Israel leben. Andererseits seien für die Terrorattacken Messer verwendet worden, eine Vorgehensweise, die nicht von langer Hand geplant worden sei.
  • Ein Einfluss des IS liege vermutlich vor.
  • Die (palästinensische) Bevölkerung sei selbst viel radikaler als ihre politische Führung.
  • Unter vom Westen „gefeierten“ Ehud Barak seien am meisten Siedlungen gebaut worden, während unter der Regierung Netanjahus am wenigsten gebaut worden sei.
  • Gerloff fragt sich, warum Europa überhaupt verlange, dass die Siedlungen in den umstrittenen Gebieten geräumt werden müssen. Nazareth gehört zum Staat Israel, ist aber mehrmeitlich von Arabern bewohnt. Hier verlange auch niemand, dass Nazareth deswegen geräumt werden muss. Warum könne Juden nicht in einem palästinensichen Staat leben? Warum sei es so selbstverständlich, dass Juden einen palästinensischen Staat verlassen müssen? Warum werde es akzeptiert, dass Juden von Arabern so gehasst würden, dass ihre Sicherheit in einem palästinensischem Staat nicht gewährleistet werden könne?
  • Vor 1967 habe es keine Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gegeben. Schon damals sei es dennoch nicht möglich gewesen, den Staat Israel anzuerkennen und zu einer Verhandlungslösung zu kommen.
  • Der Boykott israelischer Produkte aus den Siedlungen würden auch die Palästinenser schaden, die von der Arbeit in den israelischen Unternehmen abhängig seien. Es seien wegen der BDS-Bewegung schon Palästinenser entlassen worden, weil die Siedler ihre Firmen nach Israel verlegt hätten. Durch die Arbeitslosigkeit seien Palästinenser dazu gezwungen worden, ihr Land an Israelis zu verkaufen, nur um ihre Familie ernähren zu können.
  • Es werde die Zweistaatenlösung vorgeschlagen, obwohl diese keinen Widerklang bei den Menschen vor Ort fänden.
  • Die Siedlungen seien nach dem Abkommen von Oslo nicht illegal. In diesem Abkommen sei nur geregelt worden, dass über die Siedlungsfragen verhandelt werden müsse.
  • Die wahren Ursachen der Terrorwelle sei eine tief im Islam verwurzelte antijüdische antisemitische Hetze. Schon im Koran und in den Hadithen würden eine „judenfreie“ Welt propagiert. Die Hamas verfolgten ganz klar die weltweite Vernichtung des jüdischen Volkes.
  • Die Siedlungsdiskussion, die von Europa nach Israel getragen worden sei, sei kontraproduktiv in der Frage, wie die Menschen in der Region friedlich zusammenleben können.

Zusammenfassend handelt es sich um ein Interview, das sich erheblich von der Mainstream-Berichterstattung abhebt und dadurch gerade so interessant ist. Die im Interview genannten tatsächlichen Angaben kann man meines Erachtens im heutigen digitalen Zeitalter leicht nachprüfen. Und genau das werde ich tun.

Epilog: Der Mufti und die Deutschen

Meine Blickweise auf den Palästina-Konflikts zwischen 1920 und 1948 unterscheidet sich von anderen Darstellungen signifikant. Dies gilt besonders für Texte, die wie Walter Hollsteins Kein Frieden um Israel oder Helga Baumgartens Palästina: Befreiung in den Staat vorzugsweise in der Linken rezipiert worden sind. Warum wird darin so selten die Stärke der palästinensischen Fraktionen erwähnt, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten? [Weiterlesen]

von Matthias Küntzel

Wer noch nicht genug von Muftis und Nazis hat, findet hier einen weiteren interessanten Beitrag von Matthias Küntzel, der Politikwissenschaftler und Historiker ist und insbesondere zum Thema Antisemitismus forscht.

In seinem Artikel geht der Autor vor allem der Einflußnahme der Nazis auf die Frühgeschichte des Nahostkonflikts nach, die „ebenso bedeutsam wie folgenreich“ gewesen sei. Die NSDAP habe bei der Formulierung des antisemitischen Antizionismus eine Vorreiterrolle gespielt. Auch hätten erst die Waffenlieferungen und Finanzhilfen aus Nazi-Deutschland den vom Mufti geleiteten „Aufstand“ in Palästina ermöglicht.

Küntzel macht in seinem Beitrag darauf aumerksam, dass es durchaus palästinensische Kräfte gegeben hätten, die sich mit den Zionisten arrangieren wollten. Diese Politiker seien vom Mufti jedoch aus dem Weg geräumt worden.

Weiterhin ist es interessant, dass Küntzel zufolge „alle wichtigen Weichenstellungen zur Torpedierung einer arabisch-jüdischen Verhandlungslösung schon in der Phase der Nazi-Mufti-Kooperation“ stattgefunden hätten, wie die „Ausschaltung der palästinenischen Politiker, die eine Zwei-Staaten-Lösung befürworteten, Einschwörung der arabischen Welt auf den eliminatorischen Antizionismus“ oder die „Islamisierung des Palästina-Konflikts“.

Aspekte, die meines Erachtens immer noch hochaktuell sind. Sind es gerade diese Punkte, die einer dauerhaften Lösung des Nahostkonflikts im Weg stehen? Ich habe die Vermutung, dass es nicht primär der Siedlungsbau oder die unstreitig schlechten Lebensbedingungen im Gazastreifen sind, die immer wieder für Ausschreitungen seitens der Palästinenser sorgen, sondern gerade Elemente dieses „eliminatorischen Antizionismus“.

Ein genialer Schnitzer und seine Folgen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat mit „einem Schnitzer“ das geschafft, was auf korrektem Wege nie möglich gewesen wäre: Die Rolle des Mufti von Jerusalem ist plötzlich präsent. Und weil alle Welt beim Bibi – Bashing noch eins drauf setzt, bleibt das Thema auch bei Freund und Feind auf der Agenda.

Von Ulrich W. Sahm

Ein genialer Schnitzer und seine Folgen

Ein sehr interessanter Beitrag von Ulrich W. Sahm, der als Nahost-Korrespondent für deutsche Medien in Jerusalem lebt, über die Liaison zwischen dem Mufti el Husseini, seinem Gefolge und den Nazis. Durch „faehrtensuche“ wurde ich auf diesen Artikel aufmerksam.

Die Einflüsse des Mufti sollen bis heute sichtbar sein. Durch seine Propagandasendungen, die er gemeinsam mit seinem Kumpel Fawzi al Kutub von Berlin aus in die arabische Welt trug, hätte er das „Deutschlandbild“ in der arabischen Welt geprägt. Bis heute soll Hitlers Buch „Mein Kampf“ in der arabischen Welt ein Bestseller sein. Bei Hisbollah-Kämpfern, Aktivisten der Hamas und in der Fatah-nahen El Kuds Universität in Ostjerusalem wird laut Sahm immer wieder bei Massenveranstaltungen die Hand zum Hitlergruß erhoben. Das von den Nazis initiierte und vom Mufti Hadsch Amin el Husseini in die arabische Welt getragene geistige Erbe – nämlich der Kampf für eine „judenreine“ Welt – wirke bis heute nach.

Es sei das ungewollte „Verdienst“ Netanjahus, die Welt auf diese verdrängten Tatsachen aufmerksam gemacht zu haben.

„Da treffen zwei Welten aufeinander“

Der Evolutionsbiologe Axel Meyer über die genetischen Unterschiede zwischen Mann und Frau sowie wissenschaftliche Paralleluniversen, die darüber diskutieren.

Von

http://www.tagesspiegel.de/wissen/genderstudies-und-biologie-da-treffen-zwei-welten-aufeinander/12314996.html

Prof. Meyer befasst sich in seiner Forschung primär mit der Evolution von verschiedenen Fischtaxa. Das Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern bzw. die Fehde zwischen den Genderstudies und der Biologie scheint es ihm aber auch angetan zu haben. Seit August 2015 ist von Meyer ein Buch mit dem Titel „Adams Apfel und Evas Erbe“ im Handel, das den Fragen nachgeht, „wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer“. Meyer behandelt in seinem Buch aber nicht nur die Genderproblematik, sondern auch andere wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Genetik. Im Buch gehe es dem Evolutionsbiologen zufolge um „Evidenz, um Studien, um statistisch abgesicherte Daten“, und nicht um „Interpretation, um Philosophie oder um Ideologie“.

Der Mensch ist laut Meyer ein Produkt des Zusammenspiels zwischen Genetik und Biologie. Für ihn ist die Gleichstellung der Frau hierzulande weitgehend erreicht. Die Aufsichtsratsquote hält er für eine neue Geschlechterdiskriminierung, zu Lasten der Männer. Letztendlich sei es absurd, auf unhaltbare Konstrukte von Ungleichheit – wie die aufgrund der Herkunft oder Hautfarbe – mit genauso unbegründeten Konstrukten von Uniformität zu antworten.

Ein interessantes Buch, das jetzt auch auf meinem imaginären Stapel der noch zu lesenden Bücher liegt.

(Negative) Rezension von Thomas Weber.

Burning Rain

© Michael Jastremski for openphoto.net

Was sind wir Menschen interessant!

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit wurde ich Zeugin eines Ereignisses, das ich nie wieder vergessen werde. Der Gedanke daran zauberte mir den ganzen Tag über ein dickes Lächeln auf das Gesicht, und auch jetzt muss ich herzhaft grinsen, während ich diese kleine Geschichte schreibe.

Dass Deutsche Bäume lieben, dürfte allgemein bekannt sein. Man denke nur an Joseph von Eichendorff, der in seinen romantischen Gedichten den schönen deutschen Wäldern ein Denkmal setzte, wie in folgender Strophe des Gedichts „Abschied„:

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächtger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäftge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Oder an den „Baumversteher“ Peter Wohlleben, der uns in seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ mit den Gefühlen und Kommunikationswegen dieser hölzernen Schöpfung vertraut machen möchte:

Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt

Aber gilt diese „Baumliebe“ jetzt auch für schwäbische Asiatinnen?

Weiterlesen „Burning Rain“

„Soll ich den Mund halten?“

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter wurde bekannt als Neonazi-Gegner. Ausgerechnet ihm wird nun Antisemitismus vorgeworfen.

Von

http://www.zeit.de/2015/44/antisemitismus-albrecht-schoeter-thueringen-vorwurf

Albrecht Schröter soll die Außenpolitik der USA und Deutschlands für die aktuelle Flüchtlingskrise mitverantwortlich gemacht haben. Die islamfeindliche US-Politik der vergangenen Jahrzehnte trage ihre Früchte. Schröter wurde darüber hinaus mit der Aussage zitiert, dass „Deutschland seine Rolle im Nahostkonflikt ändern müsse, es aus seiner vornehmen Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstaat heraustreten müsse“. Dieser Aussage kann man meines Erachtens eindeutig entnehmen, dass Schröter unmittelbar Israel (wem auch sonst!) die Schuld an der Flüchtlingskrise gibt, ohne zu bedenken, dass die eigentlichen Fluchtursachen doch in der muslimischen Welt selbst liegen könnten. In manchen Kreisen sind die Juden immer noch an allem schuld.

Vor vier Jahren bekam Schröter noch für sein jahrelanges Engagement gegen Rechtsextremismus den „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus„, der jährlich von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und dem Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ verliehen wird. Nun wird ihm Begünstigung von Antisemitismus vorgeworfen. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht der Volksverhetzung wurde kürzlich gegen Schröter eingeleitet.

Schröter macht sich dafür stark, dass „jede deutsche Kommune, die eine israelische Partnerstadt hat, sich auch eine palästinensische suchen soll“. Soll diese Aussage aber nicht auch für den gegenteiligen Fall gelten? Sollte nicht jede deutsche Kommune, die eine palästinensiche Partnerstadt hat, sich auch eine israelische suchen? Zwischen Jena und Ramallah besteht bereits eine Städtepartnerschaft. Wo ist aber die israelische Städtepartnerschaft Jenas?

Im Übrigen ist der diesbezügliche Kommentarbereich wieder hochinteressant. Eine Menge Emotionen, von einer sachlichen Auseinandersetzung mit der konkreten Aussage Schröters fehlt aber jede Spur.