Der Dichter auf verlorenem Posten

Wie erfreulich, dass Jan Wagner den Leipziger Buchpreis in diesem Jahr bekommt. Er ist einer der virtuosesten Lyriker, die wir gegenwärtig haben.

von Wiebke Porombka

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2015-03/jan-wagner-leipziger-buchpreis-lyrik

Hier eine Leseprobe aus dem Band „Regentonnenvariationen“, das dieses Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde:

Klicke, um auf 20140807_21487152553-120_978-3-446-24646-1-Leseprobe.pdf zuzugreifen

Hohelied der Liebe

Das Hohelied aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs, von Paulus, ist das Schönste, was ich bislang zum Thema „Liebe“ gelesen habe. Ich hoffe, dass es euch genauso gut gefällt! 🙂

Das Wichtigste ist die Liebe

Wenn ich in allen Sprachen der Welt,
ja, mit Engelszungen reden kann,
aber ich habe keine Liebe,
so bin ich nur wie eine dröhnende Pauke
oder ein lärmendes Tamburin.

Weiterlesen „Hohelied der Liebe“

Hàn Mặc Tử

In letzter Zeit befasse ich mich vermehrt mit der vietnamesischen Literatur. Leider ist mein Vietnamesisch (noch) nicht so gut, dass ich beim Lesen sofort alles verstehen könnte. Mir scheint, dass in der vietnamesichen Literatur viele Ausdrücke benutzt werden, die in der gesprochenen Sprache kaum vorkommen.

Ein sehr bekannter Vertreter der vietnamesischen Dichtung ist Hàn Mặc Tử, der zu den Pionieren der modernen vietnamesischen Poesie gehörte und schon im Alter von 28 Jahren an Lepra starb. Er war Begründer der sog. „chaotischen“ (loạn) und „verrückten“ (điên) Schulen der Poesie.

Hàn Mặc Tử verfasste viele romantische Gedichte, die immer noch zum Unterrichtsstoff an vietnamesichen Schulen gehören. In diesen Werken berichtete er oft von seinen (auch fiktionalen) Beziehungen zu diversen Frauen, die ihm in seinem Leben wichtig erschienen.

Ich freue mich sehr, euch heute das erste vietnamesiche Gedicht auf meinem Blog überhaupt zu präsentieren:

Weiterlesen „Hàn Mặc Tử“

Hörbuch: Das Urteil von Franz Kafka

Der junge Kaufmann Georg Bendemann sitzt über einem Brief an seinen Freund in Russland. Darin berichtet er ihm über seine Verlobung – lange hatte er diese Nachricht verschwiegen. 

Dann besucht er seinen alten Vater, berichtet ihm von dem Brief. Der Vater reagiert mit Vorwürfen: Georgs Verhältnis mit seiner Verlobten Frieda sei ein Verrat an dem Freund, an der toten Mutter und an ihm, dem Vater. Schließlich „verurteilt“ der Vater Georg zum Tod durch Ertrinken. Georg stürzt aus der Wohnung, läuft über die Straße auf eine Brücke und wirft sich in den Fluss.

http://www.vorleser.net/kafka_urteil/hoerbuch.html

Hier gibt es den Text dazu:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/franz-kafka-erz-161/6

Unglaublich, dass Kafka diese Erzählung in nur einer einzigen Nacht geschrieben hat, nämlich in der Nacht vom 22. auf den 23. September 1912.

Das Urteil ist wohl das am häufigsten interpretierte Werk Kafkas, vielleicht sogar der deutschsprachigen Literatur überhaupt. Es sind inzwischen weit mehr als 200 veröffentlichte deutschsprachige Deutungsversuche bekannt, und ein Ende ist nicht absehbar.

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Urteil_%28Kafka%29

Weitere Interpretationen:

Das Urteil


http://www.xlibris.de/Autoren/Kafka/Werke/Das%20Urteil

Übrigens habe ich keine Ahnung, was Kafka mit dieser Erzählung ausdrücken wollte. Erst dachte ich, dass Georg dem Freund aus Russland die Freundin ausgespannt hat. Dann kam mir der Gedanke in den Sinn, dass der Freund überhaupt nicht existiert und Georg ihn nur ausgedacht haben könnte und so weiter.

Höchstwahrscheinlich wird eine eindeutige Interpretation nie möglich sein. Auch Kafka, der sich in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen verschiedentlich interpretatorisch mit dem Urteil beschäftigte, kam selbst zu keinem sicheren Ergebnis.

Georg Trakl: Ein Winterabend

Trakl-jung-klein.jpg

Heute gibt es ein Gedicht von Georg Trakl, laut Wikipedia ein österreichischer Dichter des Expressionismus mit starken Einflüssen des Symbolismus. Trakl ist 1914 sehr jung an einer Überdosis Kokain verstorben, mit gerade 27 Jahren.

Laut Wiki sollen im Werk Trakls die „Stimmung und die Farben des Herbstes, dunkle Bilder des Abends und der Nacht, des Sterbens, des Todes und des Vergehens“ überwiegen. Seine Gedichte seien reich an biblisch-religiösen Bezügen, und viele würden eine kontemplative Offenheit zur Transzendenz aufweisen. Das Licht der Erlösung breche jedoch nur selten in das Dunkel (seines Werkes). Charakteristisch sei darüber hinaus die häufige Farbsymbolik (meist Blau – in etwa 52 Prozent aller Gedichte, dann Rot und Braun), die anfangs der Beschreibung realer Dinge diente. Später wären die Farben oft als eigenständige Metaphern verselbständigt.

Trakl, kein Alltagsdichter und kein Dichter für jeden Tag, aber ein Dichter, der ein interessantes lyrisches Werk aufweisen konnte.

Weiterlesen „Georg Trakl: Ein Winterabend“

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Dietrich Bonhoeffer

Vor zwei Tagen jährte sich die Ermordung von Dietrich Bonhoeffer. Am 09.04.1945, kurz vor Kriegsende, wurde Bonhoeffer und andere „Widerstandskämpfer“ auf Geheiß Hitlers hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffer wurde in der Morgendämmerung des 9. April 1945 zum Tod durch Erhängen geführt. Die zur Hinrichtung Bestimmten mussten sich völlig entkleiden und nackt zum Galgen gehen. Der Lagerarzt beobachtete die Szene und berichtete 1955 schriftlich darüber: Bonhoeffer, den er damals nicht gekannt habe, habe ruhig und gesammelt gewirkt, sich von allen Mithäftlingen verabschiedet, an der Richtstätte ein kurzes Gebet gesprochen, sei gefasst zum Galgen gegangen und in wenigen Sekunden gestorben.

Weiterlesen „Von guten Mächten wunderbar geborgen“